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Die Hanse
in der Urlaubsregion Teutoburger Wald
Was die „Hanse“ eigentlich war, lässt sich nur schwer beschreiben. Sie war ein Städtebund, der nach und nach entstand, keine geschriebene Verfassung, keine eigene Verwaltung, aber dennoch einen enormen Einfluss auf den freien Handel seiner Mitgliedsstädte und auf deren Schutz hatte. In seiner Blütezeit gehörten dem Städtebund der Hanse mehr als 200 Mitglieder an, darunter allein aus dem heutigen Nordrhein-Westfalen rund 30 Städte.Warum fasziniert uns die Hanse heute noch, mehr als 300 Jahre nachdem sie 1669 auf dem letzten Hansetag zu Grabe getragen wurde? Sie war sicher nur entfernt so etwas wie eine mittelalterliche europäische Gemeinschaft, aber ein genau kalkuliertes und erfolgreiches wirtschaftspolitisches Schutzbündnis über fünf Jahrhunderte, an dem sich die Städte beteiligten, solange sie sich Vorteile davon erhoffen konnten.
1161 als „Genossenschaft der Gotland besuchenden deutschen Kaufleute“ entstanden, entwickelte sich die Hanse mit der Zeit immer stärker von einer kaufmännischen zu einer städtischen Verbindung. Der Hansetag, die Hauptversammlung der Städte, die dem Hansebund angehörten, entschied über alle wichtigen, die Gemeinschaft betreffenden Angelegenheiten. Lübeck blieb trotz mancher Anfechtungen von anderer Seite stets der Kopf der Hanse, die sich regional gliederte in das lübisch-sächsische, das westfälisch-preußische und das gotländisch-livländische Drittel. Das westfälisch-preußische Drittel wurde zunächst von Dortmund, später von Köln geführt. Den Höhepunkt ihrer Entwicklung erlebte die Hanse im 15. Jahrhundert, in dem sie sowohl wirtschaftlich als auch von ihrer Wehrhaftigkeit (eigene Streitkräfte!) ein europäischer Machtfaktor war.
Die im folgenden Jahrhundert zu beobachtende Auseinanderentwicklung der Hanse hatte mehrere Gründe: zum einen profitierten Binnenstädte und Seestädte zunehmend unterschiedlich vom Hansebund, zum anderen belasteten Alleingänge einzelner Städte und Städtegruppen den Zusammenschluss. Die Bedeutung der Hanse ließ daher bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach, trotz der wirtschaftlichen Hochkonjunktur ihrer Mitgliedstädte. Den äußeren Schlusspunkt für den Hansebund brachte dann der Dreißigjährige Krieg. Der letzte, von Lübeck einberufene Hansetag 1669 sah nur noch Vertreter von neun Städten. Damit gehörte die Hanse der Geschichte an.
Ihre Spuren sind noch heute im städtebaulichen Bild und den überlieferten Baudokumenten sichtbar. In den Hansestädten hat sich die Baukunst im 14. bis 16. Jahrhundert besonders reich entfaltet. Für Kirchen, Profan- und private Bürgerbauten haben die wohlhabend gewordenen Kauf-, Handels- und Handwerksleute erhebliche finanzielle Mittel aufgebracht.
Zahlende und stimmberechtigte Mitgliedstädte der Hanse aus dem Bereich Ostwestfalen-Lippe waren Bielefeld, Brakel, Herford, Lemgo, Minden, Paderborn, Warburg und Wiedenbrück – allesamt noch heute sehenswerte Städte. Von, relativ gesehen, herausragender Bedeutung innerhalb des Hansebundes waren im Kreis dieser Städte seinerzeit wohl nur Paderborn und Lemgo.
Wenn wir Ihnen im Folgenden zur Erkundung der Geschichte der Hanse den Besuch der Städte Brakel, Warburg, Lemgo und Minden empfehlen, so dann, weil sich gerade in diesen Städten heute noch Spuren der Hanse zeigen lassen und sich die wirtschaftliche Blüte der Hansezeit in deren Bauten nachvollziehen lässt.
Herford: 33. Internationaler Hansetag 2013
In der einst freien Reichsstadt trifft beim Internationalen Hansetag 2013 „Mittelalter auf Moderne“. Schon jetzt laden wir Sie ein, mit uns diese phantastische Zeitreise zu unternehmen. Zwischen dem spektakulären Museum MARTa Herford und dem Herforder Münster, zwischen Hökern, Krämern und Wandschneidern, zeigen wir Ihnen eine Stadt, die dem Hansegedanken bis in die Gegenwart treu geblieben ist.Der historische Fundus, aus dem die Herforder schöpfen können, ist reich und mannigfaltig: anno 789 wird das Stift Herford, das älteste sächsische Frauenkloster für den hohen Adel, gegründet. Das Neben- und Miteinander von Stift und Stadt war einmalig und ist noch heute im historischen Stadtkern dokumentiert. Fernkaufleute aus der Werrestadt beteiligten sich an den frühen Hansen und ihren Handelskontoren. So konnten Luxuswaren und Nutzgüter gegen heimische Produkte wie das Herforder Leinen getauscht werden. Herford blieb aus Tradition, bis zum endgültigen Hansezerfall im 17. Jahrhundert, dem Städtebund treu und gehörte auch 300 Jahre später, 1980 in Zwolle, zu den Gründungsstädten „Hanse der Neuzeit“.
An der Werre liegt auch die Wiege und das Kontor der großen Regionalorganisation der Internationalen Hanse, des Westfälischen Hansebundes. Hansestädte aus Hessen, Niedersachsen und Westfalen haben den alten Bund neu aufleben lassen. Zwanzig von Ihnen unterzeichneten am 25. Juni 1983 in Herford die Gründungsurkunde des Westfälischen Hansebundes. 2010 zählt der Bund 45 Mitglieder.
Die hanseatische Identität der Werrestadt zeigen wir Ihnen 2013 in Herford.
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Lemgo
Lemgo, um 1190 gegründet, wird urkundlich erstmals als Limgaure (1005) und Limga (1011) erwähnt. Planmäßig durch seinen Gründer, Bernhard II. zu Lippe, angelegt, erhielt Lemgo schon bald städtische Rechte verliehen; die älteste erhaltene Stadtrechtsurkunde stammt aus dem Jahr 1245. Schon um diese Zeit müssen Lemgoer Fernhändler und Kaufleute eine besondere Rolle in der Stadt gespielt haben. Darauf deuten der Baubeginn der Nicolaikirche (Nikolai = Patron der Kaufleute und Seefahrer) Anfang des 13. Jahrhunderts und die zur gleichen Zeit nachgewiesene Münzstätte ebenso hin wie das durch Bernhard III. 1253 geschaffene Privileg, das die Tuchverkäufer in Lemgo begünstigte. Dieser Akt von Wirtschaftsförderung stimulierte den Markt mit seinen ausländischen Tuchen, und bald schon war Lemgo Mitglied der Hanse.Lemgoer Kaufleute wurden im 13. und 14. Jahrhundert in Stralsund, Thorn, Wisby auf Gotland, Riga, Reval und Stockholm ansässig. Lebhafte Handelsbeziehungen bestanden zu den großen Hansestädten des Nordens, besonders nach Bremen, und nach Westen, vor allem nach Elberfeld, auch zu den Niederlanden, Flandern und sogar nach England. Lemgo zählte zu den bedeutenderen Städten des Kölner Quartiers (westfälisch-preußisches Viertel), die – wie Dortmund, Soest, Münster, Osnabrück, Paderborn, Minden und Herford – mit vollem Stimmrecht ausgestattet waren. Die Stadt wurde stets zu den Hansetagen eingeladen und zahlte die stattliche Taxe von jährlich 15 Talern – zum Vergleich: Bielefeld, Herford und Hameln zahlten 10 Taler. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Interesse Lemgos an den Hansetagen geringer. Die wirtschaftliche Interessenlage der Binnenstädte und Seestädte fiel immer stärker auseinander. Dennoch hielt Lemgo an der Hanse fest, bis diese nach 1668 zerfiel.
Wie bei vielen vergleichbaren Städten sank die wirtschaftliche und politische Bedeutung Lemgos nach dem Dreißigjährigen Krieg. Im 19. Jahrhundert wurden die Stadttore und bis auf wenige Reste die Stadtmauer und Stadtbefestigung beseitigt. Dass Lemgo 1916 das Recht erbeten und erlangt hat, sich „Alte Hansestadt“ zu nennen, zeigt das Bemühen, hansische Tradition zu pflegen. Von baulichen Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges verschont, haben die Lemgoer schon sehr früh Entscheidendes für die Erhaltung ihres historischen Stadtbildes getan.
Warburg
Auf den Spuren der Hanse soll unsere erste Station Warburg sein. Den Besucher des über 900 Jahre alten Warburgs erwartet ein geschlossenes, mittelalterliches Stadtbild, das zu den schönsten Westfalens gehört.Die günstige geographische Lage Warburgs am Hessenweg – einer Handelsstraße, die durch die Furt der Diemel weiter über den Hellweg nach Holland führte – bot eine gute Wirtschafsbasis und die Grundlage dafür, dass sich hier Fernhändler ansiedelten. Die Warburger Kaufleute handelten mit Tuchen, Leinwand, Wolle, Garn, Fellen und Leder. Die wachsende Bedeutung des Handels zwang die Warburger Kaufleute und Stadtherren, sich der Hanse anzuschließen, um deren Privilegien zu genießen.
Zwischen 1364, dem nachweislich ersten Auftreten Warburgs, und 1620, der letzten Erwähnung Warburgs auf einem Hansetag, lagen 1518 Ausschluss und 1540 erneute Aufnahme sowie 1576 und 1591 selbsterklärte Austritte. Grund für die Austritte war wohl der jeweils von der Mitgliedschaft in der Hanse erwartete Nutzen im Vergleich zu den Kosten, die mit dem Besuch der Hansetage verbunden waren. Zahlreiche Eintragungen Warburger Bürger in Schuld- und Bürgerbüchern des Ostseeraumes aus dem 13. und 14. Jahrhundert belegen den regen Osthandel der Warburger Kaufleute. Im 16. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt des Handels nach Holland.
Das Vermögen, das die Warburger Kaufleute aus diesem Handel erwarben, dokumentierte sich in der regen Bautätigkeit während der Hansezeit. Trotz zahlreicher Brände und Kriege – vor allem der Dreißigjährige und der Siebenjährige Krieg zerstörten viel Substanz – sind noch zahlreiche Bauten aus der Zeit vor 1600 erhalten, die den Wohlstand und die wirtschaftliche Blüte Warburgs in der Hansezeit belegen. Wenngleich sich diese Bauten im Laufe der Jahrhunderte mehr oder weniger verändert und ihre ursprüngliche Zweckbestimmung längst verloren haben, bestimmen sie noch heute weitgehend das mittelalterliche Bild der Stadt.
Minden
Die strategisch günstige Lage an der Weser, wo sich an einer gut passierbaren Furt wichtige Nord-Süd und Ost-West-Verbindungen kreuzten, hat wohl dazu beigetragen, dass Karl der Große Minden zum Bischofssitz bestimmte. Die Voraussetzungen für die Entwicklung einer Handwerker- und Kaufmannssiedlung waren also gut. Sie wurden durch die Verleihung des Markt-, Münz- und Zollrechts im Jahr 977 noch deutlich verbessert. Als Mitglied der Hanse wird Minden urkundlich erstmals 1295 erwähnt.Auch wenn Minden ein eher passives Mitglied der Hanse blieb, brachten die kommenden drei Jahrhunderte der Hansezugehörigkeit stetigen Aufschwung von Handel und Gewerbe, wachsenden Wohlstand und die Stärkung des städtischen Bürgersinns. Zwischen Minden und dem Hansebund hat es aber auch immer wieder Konflikte gegeben, die u.a. mit den immer weiter auseinanderfallenden Interessen der Binnen- und der Seestädte zusammenhingen. Vor allem in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts klagte Minden – wie andere westfälische Hansestädte auch – über den geringen Nutzen, den ihm die Hanse bringe.
In der Blütezeit der Hanse zwischen 1400 und 1500 entstanden in Minden – auch infolge der allmählichen Verbreitung und günstigen Anwendung des Ziegelbaus – zahlreiche Backsteinbürgerbauten, vornehmlich für die wohlhabende Kaufmannschaft. Damit erhielt Minden das mittelalterliche Gepräge einer Hansestadt, das sie bei einem gemütlichen Rundgang durch die Stadt erkunden können.
Brakel
836 wird Brakel erstmals erwähnt, 1229 urkundlich als Stadt bezeichnet. Bereits im 11. Jahrhundert verfügte es über eigene Zoll- und Marktrechte und eine Münzstätte. Durch die Lage am Hellweg begünstigt, hatten Fernhändler an der Entwicklung Brakels entscheidenden Anteil. Intensive Handelsbeziehungen bis in den Ostseebereich hinein ermöglichten im 13. und 14. Jahrhundert den Aufschwung der Stadt. Da es frühzeitig den Vorteil eines Beitritts zur Hanse erkannte, wurde Brakel, auch dank seiner relativ wohlhabenden Kaufmannschaft, schon 1413 Mitglied der Hanse.Dennoch hatte Brakel – wie Warburg in der Hansestruktur Paderborn untergliedert – keine große Bedeutung im Hansebund. Die Stadt ist vielmehr ein typisches Beispiel für viele Mitglieder der Hanse, die innerhalb des Hansebundes ohne großes politisches Eigengewicht unter dem „Schutzschild“ der Hanse wirtschaftlich florierten und so lange Mitglied blieben (bis 1567), wie es dem eigenen Vorteil diente. Zeugen dieser wirtschaftlichen Blüte sind in Brakel heute noch das am Markt angesiedelte Rathaus, die „Alte Waage“ und andere mittelalterliche Bauten.


































