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Römer & Germanen

in der Urlaubsregion Teutoburger Wald

Germanen und Römer Germanen siedelten im ostwestfälisch-lippischen Raum bereits in der Zeit vor Christi Geburt. Ihre Beziehungen zu den Römern waren geprägt durch kriegerische Auseinandersetzungen; die Region war zwischen 12 v. und 16 n. Chr. immer wieder Ziel römischer Angriffskriege.
 
Irgendwo hier schlug der Cheruskerfürst Arminius im Jahr 9 n. Chr. drei römische Elitelegionen unter dem römischen Feldherrn Quinctilius Varus und vernichtete damit die römische Herrschaft rechts des Rheins – ein Ereignis, dem von manchen Historikern welthistorische Bedeutung zugemessen wird, weil die Geschichte möglicherweise anders verlaufen wäre, wenn sich die Germanenstämme rechts des Rheins dem römischen Recht und den römischen Kultureinflüssen nicht verschlossen hätten. Aber solche Überlegungen sind Spekulation.
 
Während wir über die Geschichte der Römer gut unterrichtet sind, ist über die Germanen wenig bekannt. Sie besaßen keine eigene Schrift und hinterließen keine Monumente aus Stein. Anhand der Überlieferungen antiker Schriftsteller und der Forschungsergebnisse einer modernen Archäologie und Bodendenkmalpflege ist es aber trotzdem möglich, sich ein anschauliches Bild von den Beziehungen zwischen Römern und Germanen in unserer Region zu machen.
 
Wir möchten Ihnen einige interessante Stationen zur Erkundung der beiden so unterschiedlichen Kulturen und der römisch-germanischen Geschichte im Teutoburger Wald vorschlagen.
Hermannsdenkmal Detmold

Das Hermannsdenkmal

Das Hermannsdenkmal wurde 1875 auf der Grotenburg bei Detmold im Beisein von Kaiser Wilhelms I. und zahlreicher deutscher Fürsten eingeweiht und erinnert an die sagenumwobene „Varusschlacht“ im Jahre 9 n. Chr. und an die Person und historische Leistung des Cheruskerfürsten Arminius, der später (fälschlicherweise) auch Hermann genannt wurde.
 
Die Entstehungsgeschichte des Denkmals ist nur vor dem Hintergrund des erstarkenden Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert zu verstehen. Der Bildhauer und Architekt Ernst von Bandel (1800-1876) plante den Bau des Denkmals – unter dem Eindruck der Befreiungskriege gegen Napoleon (1813-1815) stehend – bereits als junger Mensch und begann 1838 mit den Arbeiten. Angesichts der Zersplitterung des deutschen Territoriums in zahlreiche unabhängige Kleinstaaten war das Denkmal zunächst als Appell zur nationalen Einigung gedacht, wobei Parallelen zwischen den frühgeschichtlichen Ereignissen am Teutoburger Wald und der Gegenwart des 19. Jahrhunderts gezogen wurden. So wie Arminius die germanischen Stämme im Kampf gegen die Römer vereinigt hatte, sollten sich auch die Fürsten und Regenten der deutschen Kleinstaaten zu einem geeinten Reich verbinden. Die Einweihung des Denkmals fand unter dem unmittelbaren Eindruck des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und der anschließenden Gründung des Deutschen Reiches durch Bismarck statt.
 
Die „Schlacht im Teutoburger Wald“ wurde als Manifestation vaterländischen Freiheitswillens gewertet, Arminius als Vorkämpfer des Nationalstaates gesehen. Das Hermannsdenkmal ist deshalb im Hinblick auf das Geschichtsbewusstsein im 19. Jahrhundert mindestens so interessant wie als Zeugnis römisch-germanischer Geschichte. Darauf verweisen auch die verschiedenen In- und Aufschriften am Denkmal, die sich in einer für die westlichen Nachbarn z.T. provozierend-überheblichen Weise auf die Napoleonischen Kriege und den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 beziehen.
 
Die Schlacht der Germanen gegen die Römer im Jahr 9 n. Chr., an die mit dem Hermannsdenkmal erinnert werden sollte, ist bis heute Gegenstand der historischen Forschung. Über Vorgeschichte und Verlauf der Schlacht ist man sich weitgehend einig. Verschiedentliche Einfälle germanischer Kriegerscharen in die römische Provinz Gallien hatten bei den Römern den Eindruck entstehen lassen, dass die östliche Grenze ihrer Provinz ungenügend gesichert sei. Im Jahre 12 v. Chr. begannen die Römer deshalb mit ihren Kriegen gegen die rechts des Rheins siedelnden Germanen. Die Bemühungen des seit dem Jahr 7 n. Chr. amtierenden römischen Statthalters Quinctilius Varus, im Siedlungsgebiet der Germanen eine zivile Verwaltung aufzubauen, das römische Recht einzuführen und das Land für eine geplante Besteuerung vermessen zu lassen, stießen auf den erbitterten Widerstand der Germanen, der sich in der Schlacht im Jahr 9 n. Chr. entlud. Unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius, der durch seinen Dienst als römischer Offizier einen Einblick in römische Strategie und Taktik gewonnen hatte, überfielen verbündete Germanenstämme die auf dem Marsch befindlichen und völlig überraschten römischen Truppen. Die dreitägigen Kampfhandlungen forderten auf römischer Seite zwanzigtausend Tote; das Weltreich verlor drei Elitelegionen, und Varus stürzte sich in sein Schwert.
 
Gestritten wird bis heute darüber, wo die Schlacht stattgefunden hat. Inzwischen existieren zu dieser Frage über 700 Theorien, von denen allerdings keine bewiesen werden konnte. Jüngere Ausgrabungen deuten darauf hin, dass die Schlacht nicht am Teutoburger Wald, sondern am Kalkrieser Berg bei Bramsche stattgefunden hat. Dann stünde das Hermannsdenkmal nicht am Ort der Varusniederlage. Da das Hermannsdenkmal aber ohnehin mehr über das Geschichtsbewusstsein des 19. Jahrhunderts als über die römisch-germanische Geschichte in unserer Region aussagt, wäre auch das kein großer Schaden.

Weitere Informationen:
Landesverband Lippe
Hermannsdenkmal-Stiftung
Schlossstraße 18
32657 Lemgo
www.hermannsdenkmal.de

Freilichtmuseum Oerlinghausen

Archäologisches Freilichtmuseum Oerlinghausen

In Oerlinghausen bieten sich gleich zwei Stationen zur Erkundung der germanischen Geschichte an: die Überreste einer vorchristlich-germanischen Fluchtburg auf der Höhe des Tönsberges und das Archäologische Freilichtmuseum.
 
Die Anlage von Wall- und Fluchtburgen in unserer Region geht vermutlich auf keltische Einflüsse zurück, die ihre Wirkungen im gesamten nördlichen Mittelgebirgsraum hinterlassen haben. Eine dieser Burgen liegt auf einer Bergkuppe über Oerlinghausen, das Tönsberglager. Diese Ringwallanlage ist eine Höhenbefestigung aus vorchristlicher Zeit. Der Bau solcher Befestigungsanlagen erforderte einen erheblichen physischen und organisatorischen Aufwand und deutet auf die Existenz einer starken Zentralgewalt hin. Gleichzeitig verweisen Wallanlagen wie das Tönsberglager auf eine gestufte Gesellschaftsordnung und die Existenz einer Oberschicht von höherem Adel bereits in den letzten Jahrhunderten vor Christus. Die erste Befestigungsanlage auf dem Tönsberg, die etwa vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis zur Zeitenwende bestand, wurde durch Feuer zerstört. Auch eine zweite, stärker befestigte Wallburg ging in Flammen auf. Danach blieb die Anlage Jahrhunderte lang wüst liegen. Erst in sächsisch-fränkischer Zeit wurde sie erneut genutzt und teilweise mit einer Doppelschalenmauer versehen. Die große Befestigungsanlage am Tönsberg hatte für unsere Vorfahren vermutlich verschiedene Funktionen. In erster Linie war sie Fluchtburg, in die sich die Bewohner des Umlandes mit ihrem Vieh in kriegerischen Zeiten flüchten konnten. Außerdem diente sie als Versammlungs- und Gerichtsort, und schließlich dürfte sie auch Adelssitz und Dauersiedlungsplatz für eine kleinere Personengruppe gewesen sein, die Instandhaltungsarbeiten und Schutzpflichten übernahm. Das Tönsberglager kann von Oerlinghausen aus bequem erwandert werden.
 
Mit seinen Rekonstruktionen germanischer Gehöfte in Originalgröße vermittelt das Archäologische Freilichtmuseum in Oerlinghausen einen anschaulichen Eindruck von den Lebens- und Arbeitsbedingungen unserer Vorfahren von der Steinzeit bis zum Frühmittelalter. Eine Reihe lebensnotwendiger Arbeitstechniken aus germanischer Zeit werden in dem Museum nachgestaltet. Auf diese Weise erhalten die Besucher des Museums interessante Einblicke in Wohnen, Wirtschaft und Umwelt des vor- und frühgeschichtlichen Menschen. Die Siedlungsgewohnheiten der Germanen waren über einen langen Zeitraum hinweg geprägt durch das auf Selbstversorgung ausgerichtete Einzelgehöft. Eine Reihe solcher Gehöfte mit Haupt- und Nebengebäuden, Brunnen und Öfen sind auf dem weitläufigen Museumsgelände zu besichtigen. Durch einen Zaun aus Flechtwerk oder eine Hecke wurden die verschiedenen Gebäude in der Regel zu einer geschlossenen Hofstelle zusammengefasst. Das Archäologische Freilichtmuseum ist ein spannendes Ausflugsziel gerade auch für Kinder, auf die die germanischen Behausungen mit ihren tief herabgezogenen Stroh- oder Reetdächern und die z.T. imponierend hohen Zäune um die Gehöfte einebesondere Faszination ausüben.

Weitere Informationen:
Archäologisches Freilichtmuseum
Am Barkhauser Berg 2-6
33813 Oerlinghausen
Tel.: 05202 2220
Fax: 05202 2388
archaeoerl@t-online.de 
www.afm-oerlinghausen.de

Legionslager Delbrück-Anreppen

Das Lippegebiet ist die einzige rechtsrheinische Region, für die eine längere Präsenz der römischen Militärmacht anzunehmen ist. In der Zeit der römischen Angriffskriege entstanden entlang des damals für flache Boote schiffbaren Flusses eine Reihe von Militärlagern.
 
Lange Zeit standen für alle, die sich für die römisch-germanischen Auseinandersetzungen interessierten, die Legionslager von Holsterhausen, Haltern und Oberaden im Mittelpunkt. Schon seit 1968 war allerdings bekannt, dass sich ein weiteres Lager in Anreppen befunden haben muss. Wiederholt wurde bis 1981 gegraben, die Art der Befestigung und der ungefähre Lagerumfang wurden dabei ermittelt. Im Sommer 1988 rückte dann das Lagerinnere in den Mittelpunkt des Interesses. Nahezu mit dem ersten Spatenstich fanden die Ausgräber das Herzstück der Anlage, die Principia (Kommandozentrale). Nicht nur in Archäologenkreisen gelten die Ergebnisse der Grabungskampagne als sensationell. Größer als die Anlage in Haltern, bot das Legionslager Delbrück-Anreppen ausreichend Platz für eine ganze Legion, also rund 6.000 Mann.
 
In Delbrück-Anreppen wird auch zurzeit wieder gegraben. Machen Sie sich zu Fuß oder mit dem Rad auf den Weg, um einen Eindruck von den imponierenden Ausmaßen der Anlage zu bekommen. 
Ausstellung in derKaiserpfalz Paderborn

Paderborn

Für zahlreiche Orte im Teutoburger Wald ist eine germanische Besiedlung nachgewiesen. Paderborn steht hier als ein Beispiel. Schon sehr früh haben sich hier Menschen niedergelassen. Besonders das Gebiet, an der die Quellen der Pader entspringen, bot gute Siedlungsmöglichkeiten.
 
Unter dem heutigen Dom und nördlich, südlich und östlich davon erstreckte sich ein Friedhof aus der jüngeren Bronzezeit und der beginnenden vorrömischen Eisenzeit. Ausgrabungen in der weiteren und näheren Umgebung führten auf die Spur ortsfester Wohnplätze der vorrömischen Eisenzeit und brachten Siedlungsreste des 2. bis 4. Jahrhunderts nach Christus ans Tageslicht. Daneben wurde eine Reihe von archäologischen Funden gemacht, die in den Zeitraum der germanischen Besiedlung gehören. Im 7. Jahrhundert ließen sich sächsische Siedler an den Paderquellen nieder, sie gaben dem Ort den Namen Padrobrunno, „an den Quellen der Pader“. Funde aus diesen Zeitabschnitten zeigen die beiden historischen Museen der Stadt Paderborn, das Museum für Stadtgeschichte und das Museum in der Kaiserpfalz.
 
Weitere Informationen:
Museum für Stadtgeschichte
Strasse: Hathumarstraße 7 - 9
PLZ Ort: 33098 Paderborn
Tel.: 05251 882350-1
Fax: 05251 882350-9
stadtmuseum@paderborn.de
www.paderborn.de/stadtmuseum
 
Museum in der Kaiserpfalz
Am Ikenberg 2
33098 Paderborn
Tel.: 05251 1051-10
Fax: 05251 1051-25
kaiserpfalzmuseum@lwl.org
www.kaiserpfalz-paderborn.de