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Sachsen & Franken
in der Urlaubsregion Teutoburger Wald
Als Teil großer Völkerverschiebungen, die unter dem Namen „Völkerwanderung“ in die Geschichte eingegangen sind, bildeten sich seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. auch in unserer Region größere ethnische Einheiten wie die Franken und Sachsen heraus.Die für die Geschichte des Teutoburger Waldes besonders interessanten Sachsen rückten seit dem 6. Jahrhundert in drei Teilverbänden von der Deutschen Bucht Richtung Süden vor. Die Westfalen, der Name taucht erstmals 775 auf, bewegten sich westlich der Weser in Richtung Niederrhein, die Ostsachsen (-falen) siedelten entlang der Elbe, und die Engern ließen sich beiderseits der Weser nieder. Da die Franken gleichzeitig den hessischen und mitteldeutschen Raum bevölkerten, standen sich beide Volksgruppen seit Beginn des 8. Jahrhunderts unvermittelt feindlich gegenüber, wobei die religiösen Gegensätze zwischen den heidnischen Sachsen und den christlichen Franken den Konflikt noch verschärften.
Mit den Auseinandersetzungen zwischen Sachsen und Franken im 8. und 9. Jahrhundert, die mit der gewaltsamen Unterwerfung der Sachsen endeten, wurde im Raum Paderborn, in Corvey, Schieder und Enger in gewisser Weise Weltgeschichte geschrieben, da die erfolgreiche Christianisierung der Sachsen die Macht der Kirche dauerhaft stabilisierte und die Integration der Sachsen in das fränkische Reich langfristig die Voraussetzung für die Entstehung des Deutschen Reiches bildete. Die beherrschenden Rollen in diesem Konflikt spielten Karl der Große aufseiten der Franken und, als sein Gegenspieler, der Sachsenfürst Widukind, später auch Wittekind genannt. Der Kampf der Franken gegen die Sachsen vollzog sich im wesentlichen in drei Etappen: Eine erste „Strafexpedition“ Karls des Großen gegen die widerständigen Sachsen im Jahr 772 endete mit der Eroberung der Eresburg südlich von Paderborn und der Zerstörung eines zentralen Baumheiligtums der Sachsen, der Irminsul.
Als Demonstration seiner Macht veranstaltete Karl der Große 777 einen Reichstag in Paderborn, wo sich viele der sächsischen Großen dem König unterwarfen. Einer erschien allerdings nicht – der Sachsenherzog Widukind. In einer zweiten Phase des Konflikts organisierte Widukind in den folgenden Jahren einen erbitterten Kleinkrieg gegen die Franken, den er aber wegen der Überlegenheit des wesentlich straffer organisierten und bevölkerungsreicheren Frankenreichs nicht gewinnen konnte; mit seiner Taufe 785 in Attigny in der Champagne unterwarf sich Widukind schließlich dem übermächtigen Gegner. Danach verlieren sich die Spuren des Sachsenherzogs, dessen Person seither von einem eigenartigen Mythos umgeben wird. Das Gedächtnis an ihn wird bis heute vor allem in Enger wachgehalten. In einem dritten Schritt veranlassten erneute sächsische Aufstände Karl den Großen zu weiteren militärischen Aktionen und zu einer Stabilisierung seiner Herrschaft in unserer Region. Für den Winter 797/98 wurde Herstelle an der Weser königlicher Wohnsitz, 799 empfing Karl den Papst in Paderborn zu monatelangen Verhandlungen, in Lügde/Schieder, bei Brakel und Warburg entstanden fränkische Königshöfe zur Festigung seiner Macht. Im Jahr 804 erfolgte schließlich der endgültige Friedensschluss.
Viele Spuren der sächsisch-fränkischen Geschichte sind heute noch nachvollziehbar.
Paderborn
Das heutige Paderborn (Pader = der im Zentrum der Stadt entspringende 4 km lange Fluss, Born = Quell) hat sich aus der Pfalzburg Karls des Großen entwickelt, die er nach der Zerstörung der sächsischen Gehöfte oberhalb der Paderquellen errichten ließ.Die Stadt rückte in der Zeit der sächsisch-fränkischen Auseinandersetzungen gleich zwei Mal ins Zentrum der Reichspolitik: Im Jahr 777 veranstaltete Karl der Große hier einen Reichstag, 799 traf er in Paderborn mit Papst Leo III. zusammen, um die spätere Krönung Karls zum Kaiser (im Jahr 800) vor zu besprechen und Verhandlungen über die Wiederherstellung des weströmischen Kaisertums zu führen, die schließlich in die Gründung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation mündeten. Die Kaiserpfalz in Paderborn gehört zu den bedeutendsten archäologischen Entdeckungen der Nachkriegszeit. Bei Ausgrabungen in den 1960er und 70er Jahren wurden zwei königliche Palastanlagen entdeckt, welche die aus den schriftlichen Quellen bekannten Ereignisse in hervorragender Weise bestätigten.
Die Pfalz des 11. Jahrhunderts hatte noch so viel an originaler Substanz, dass man einen Wiederaufbau vertreten konnte, um auch heute noch räumliche Vorstellungen einer mittelalterlichen Pfalzanlage zu ermöglichen. Vor der Besichtigung der Kaiserpfalz empfiehlt sich ein Besuch des Kaiserpfalz-Museums, das eine gute Übersicht über die sächsisch-fränkische Geschichte vermittelt. Als weitere herausragende Sehenswürdigkeiten bieten sich in unmittelbarer Nähe der Kaiserpfalz die Bartholomäuskapelle – vermutlich als Königskapelle 1017 von griechischen Bauherren errichtet – und der Dom an, der mit seiner Länge von über 100 Metern und einer der größten Krypten in Deutschland vielfältige Besichtigungsmöglichkeiten bietet.
Weitere Informationen:
Tourist Information Paderborn
Verkehrsverein Paderborn
Marienplatz 2a
33098 Paderborn
Tel.: 05251 8829-80
Fax: 05251 8829-90
tourist-info@paderborn.de
www.paderborn.de
Museum in der Kaiserpfalz
Am Ikenberg 2
33098 Paderborn
Tel.: 05251 1051-10
Fax: 05251 1051-25
kaiserpfalzmuseum@lwl.org
www.kaiserpfalz-paderborn.de
Die Iburg
Auf einem Bergsporn bei Bad Driburg finden sich Reste einer historischen Volksburg. Sie wurde im Jahr 772 von Karl dem Großen nach erbittertem Widerstand der Sachsen zerstört.Schon vorher (752) hatte hier Pippin gekämpft. Dabei soll der Kölner Erzbischof Hildegarius von den sächsischen Gegnern erschlagen worden sein. Wenn Sie sich zu Fuß auf den Weg zur Wallburg begeben, erhalten Sie einen imposanten Eindruck von der wehrhaften Anlage. Reste der sächsischen Befestigung mit Wall und Mauer sind an der Westseite noch zu erkennen. Innerhalb der Umwallung finden sich Fundamente der St.-Petrus-Kirche, deren Vorgängerbau von Karl gestiftet wurde. Jüngere Überbauungen stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert.
Weitere Informationen:
Bad Driburger Touristik GmbH
Tourist-Information
Lange Straße 140
33014 Bad Driburg
Tel.: 05253 9894-0
Fax: 05253 9894-24
info@bad-driburg.com
www.bad-driburg.com
Reichsabtei Corvey
Die Reichsabtei Corvey (Namensgeber ist die nordfranzösische Abtei Corbie) war im 9. und 10. Jahrhundert führendes kirchliches, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum im westlichen Sachsen.Hier lebten und wirkten der sächsische Mönch Widukind, Verfasser der „res gestae Saxoniae“ – einer für die Geschichte der Sachsen in der Zeit Karls des Großen bedeutenden historischen Überlieferungen – , und der erste deutsche Papst, Gregor der V. In einem Bericht aus dieser Zeit schreibt ein Paderborner Domkleriker, der glorreiche Kaiser Karl heiße mit vollem Recht „Apostel der Sachsen“, weil seingrößter Triumph die Befreiung Tausender sächsischer Seelen von der Tyrannei des Teufels gewesen sei – so die Sicht der Sieger. Richtig daran ist, dass sächsische Kriegsgefangene und Geiseln zwangsweise in fränkische Klöster gebracht wurden, um in christlicher Lebensführung unterwiesen zu werden.
Die hohe Anzahl von Mönchen sächsischer Herkunft in dem Mutterkloster Corbie war für Ludwig den Frommen Anlass, im Sachsenland eine Dependance „Nova Corbeia“ zu gründen. Die Neugründung im Jahre 822 an einem zum Königshof Höxter gehörenden Platz an der Weser war so erfolgreich, dass noch heute wesentliche Zeugnisse aus dieser Zeit besichtigt werden können. Schon 823 erhielt das Kloster Corvey die freie Abtwahl, direkten Königsschutz und Immunität, 834 Markt- und Münzrechte, die besten Voraussetzungen für das aufstrebende Kloster. Im 9. und 10. Jahrhundert war hier das Zentrum des geistlichen und gelehrten Lebens im Sachsenland. Die Chronik verzeichnet 24 Kaiserbesuche. (Zum Kloster Corvey siehe auch Nonnen, Mönche, Mittelalter).
Weitere Informationen:
Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH
37671 Höxter
Tel.: 05271 6940-10
Fax: 05271 6944-00
empfang@schloss-corvey.de
www.schloss-corvey.de
Lügde
Den nächsten Hinweis auf Karl den Großen finden wir bezogen auf eine villa Luihidi (Lügde), in der er das Weihnachtsfest 784 gefeiert haben soll. Ob und wie dieser Aufenthalt mit dem ergrabenen karolingischen Königshof in Zusammenhang steht, hat die Forschung noch nicht klären können. Die Villa Schieder wird aber auch 822/26 im Rahmen einer Schenkung an das Kloster Corvey erwähnt, so dass hier eine karolingische Tradition deutlich wird. Lügde, 784 erstmals erwähnt, war ebenfalls Aufenthaltsort Karls und taucht im Zusammenhang mit Güterschenkungen an das Kloster Corvey in den Urkunden des 9. Jahrhunderts auf.Weitere Informationen:
Tourist Information Lügde
Am Markt 1
32676 Lügde
Tel.: 05281 7708-70
Fax: 05281 98998-70
touristinfo@luegde.de
www.touristinformationluegde.de
Stadt Enger
Die letzte Etappe auf den Spuren Karls des Großen und der Sachsen führt Sie ins Ravensberger Land, nach Enger. Die Stadt nennt sich noch heute nach dem berühmten Gegenspieler Karls des Großen „Widukindstadt“.Den Hintergrund für diese Bezeichnung bildet die folgende Geschichte: Kaiser Karl IV. machte im Jahr 1377 auf einer Reise von seiner Residenzstadt Tangermünde nach Paris auch in Enger Station, weil ihn die alte Überlieferung faszinierte, nach welcher der Sachsenherzog Widukind in der Stiftskirche zu Enger begraben sei. Er ließ die Grabstätte Widukinds renovieren und bestätigte damit erneut die Überlieferung. Das Schicksal Widukinds ist aber bis heute wissenschaftlich nicht gesichert. Nach seiner Bekehrung im Jahr 785 verlieren sich seine Spuren im Dunkeln. Erst 975 taucht sein Name im Zusammenhang mit der Gründung des Stiftes Enger in den Überlieferungen wieder auf. Darin gilt er als der Gründer der Stiftskirche in Enger.
Jüngere Ausgrabungen in der Stiftskirche ergaben überraschend, dass der älteste Kirchenbau in die Zeit um 800 zurückreicht. Drei im Chor gefundene Holzsärge erlauben nach Meinung der Archäologen zwar keine gesicherte Identifizierung mit einer geschichtlichen Persönlichkeit, aber ihre Lage vor und neben dem Altar charakterisiert die hier Beigesetzten als Stifterpersönlichkeiten von besonderem Rang. Besonders der Fund des Skeletts eines etwa sechzigjährigen Mannes in dem zentral gelegenen Mittelgrab hat der Version wieder Auftrieb gegeben, nach der Widukind hier begraben liegt. Ein molekular-genetischer Vergleich der drei im Chor bestatteten Männer ergab, dass alle drei in väterlicher Linie miteinander verwandt waren. Unabhängig von allen Spekulationen wird die Erinnerung an Widukind in Enger wachgehalten, wo noch bis heute jedes Jahr am 6. Januar sein Todestag offiziell begangen wird. Zu dieser „Timpkenfest“ genannten Totenfeier werden nach einem Gottesdienst „Timpken“, aus hellem Mehl gebackene Weißbrotviertel, an die Schulkinder verteilt. Das Widukind-Museum am Kirchplatz informiert umfassend über den Sachsenherzog und die sächsisch-fränkische Geschichte.
Weitere Informationen:
Stadt Enger
Bahnhofstr. 44
32130 Enger
Tel.: 05224 9800-29
Fax: 05224 9800-66
info@enger.de
www.enger.de
Widukind Museum Enger
Kirchplatz 10
32130 Enger
Tel.: 05224 9109-95
Fax: 05224 9109-96
info@widukind-museum-enger.de
www.widukind-museum-enger.de


































