© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Fern der Heimat

Auf den Spuren der lippischen Wanderziegler

© LWL-Industriemuseum, Ziegeleimuseum Lage

Abschied auf Zeit

Saisonarbeit in der Fremde

Sie waren bekannt dafür, dass sie anpacken und hart arbeiten konnten. Und so zog es jedes Jahr zu Ostern bis zu 15.000 lippische Ziegler hinaus in die Fremde, um in den Ziegeleien überall im Land ihr Geld zu verdienen. Monatelang schuften sie, getrennt von der Familie und mitunter selbst noch ein Kind, im Maschinenraum, am Brennofen und an der Ziegelpresse. Höllenlärm und schwüle Hitze herrschen ab 1909 aber auch in der Ziegelei Beermann, in der die Arbeiter jeden Tag tausende Ziegel produzieren und die heute als Museum vom Alltag der lippischen Wanderziegler erzählt.

© LWL-Industriemuseum, Ziegeleimuseum Lage

Männer unter sich

Die Arbeit in der Ziegelei schweißt zusammen

"Für manchen mag es romantisch klingen, wenn wir jedes Jahr zu Ostern unser Bündel schnüren und auf Wanderschaft gehen. Doch die Arbeit in den Ziegeleien ist hart. Ein echter Knochenjob. Bis zu 1.200 Ziegel stellen wir am Tag her. Und das sechs Monate lang. So lange sind wir Männer dann unter uns, getrennt von der schwangeren Frau und den Kindern. Das schweißt natürlich zusammen. Und so versammeln wir uns abends gern in der Küche. Wir trinken, spielen Karten oder singen gemeinsam. Da kann es auch schon mal hoch hergehen."
© LWL-Industriemuseum, Ziegeleimuseum Lage

Allein mit Haus und Hof

Das Schicksal der Daheimgebliebenen

© LWL-Industriemuseum, Ziegeleimuseum Lage

Es sind nicht nur die Männer, die schuften. Auch die Frauen der Wanderziegler tragen eine schwere Last. Allein mit den Kindern bleiben sie auf dem Hof zurück, kümmern sich um die Tiere und sorgen dafür, dass die Ernte eingefahren wird. Ohne den starken Mann, der ihnen die körperlich anstrengende Arbeit abnehmen könnte. Ohne den liebevollen Partner, mit dem sie die Sorgen und Nöte um die Kinder teilen können. Was bleibt, sind einzig Briefe an den Liebsten in der Fremde. Und die Hoffnung, dass die Saison bald vorübergeht.

© LWL-Industriemuseum, Ziegeleimuseum Lage

Historische Produktionsstätten in Betrieb

Am Ende waren alle Anstrengungen vergeblich. Nach Jahrzehnten des ständigen Auf und Ab schließt die Ziegelei Beermann im Jahr 1979 endgültig ihre Pforten. Genau 70 Jahre nach ihrer Gründung durch Gustav Beermann können die Söhne Erich und Friedel den Betrieb nicht länger aufrechterhalten. Zu groß ist die Konkurrenz, und für eine weitere Modernisierung des in den Anfangsjahren florierenden Betriebs fehlt das Kapital. Die historischen Produktionsstätten blieben jedoch als Museum erhalten. Seit 2001 erfahren Besucher im Ziegeleimuseum Lage spannende Geschichten über das Leben der Wanderziegler und über die Arbeit am Brennofen und der Ziegelpresse. Einmal im Jahr herrscht auch wieder höllischer Lärm, wenn die Maschinen für Schauvorführungen angeworfen und noch einmal bis zu 10.000 Ziegel produziert werden.

Mehr erfahren
© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Die Story vor Ort erleben

In einem Audioguide an vier unterschiedlichen Stationen über das gesamte Gelände des LWL-Ziegeleimuseums verteilt, erfährt man noch mehr über das bewegte Leben der lippischen Wanderziegler und ihrer Familien.

LWL-Industriemuseum 
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Ziegeleimuseum Lage
Sprikernheide 77
32791 Lage

Öffnungszeiten:
Dienstag–Sonntag sowie an Feiertagen 10–18 Uhr
Letzter Einlass 17.30 Uhr
Geschlossen: montags (außer an Feiertagen) sowie am 24., 25., 31.12.2019 und 1.1.2020

© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Ziegelroute

Auf einer Gesamtlänge von 24 Kilometern verbindet die Ziegelroute die Stationen lippischer Industriekultur. Für die Region typische Industriezweige wie Ziegelherstellung und Salzsiederei werden ebenso erlebbar, wie die abwechslungsreiche Landschaft, die von den Höhenzügen des Teutoburger Waldes umgeben wird.

Mehr erfahren
Fern der Heimat
Kapitel 1 : Fern der Heimat
Kapitelübersicht
Besuchen Sie das Ziegeleimuseum Lage!