© Patrick Piecha

Zeitreise durch den Ravensberger Park

Der Wandel vom Fabrikschloss zum Kulturquartier

© Patrick Piecha

Einst und jetzt

Die Bielefelder und ihre Spinnerei

Es war eine Fabrik wie ein Schloss, die zwei Industriepioniere Mitte des 19. Jahrhunderts vor den Toren der Stadt Bielefeld errichteten. Doch hinter der schönen Fassade waren es vor allem Frauen und Mädchen, die für wenig Geld und unter schweren Bedingungen schuften mussten. Bis Anfang der 1970er Jahre auch für die einst größte Flachsspinnerei Deutschlands das Ende kam und die Gebäude abgerissen werden sollten. Wären da nicht die Bielefelder Bürger gewesen. Starten Sie Ihre Zeitreise!

Ein Fabrikschloss

Pioniere der Industrieproduktion

Es sollte die größte Spinnerei werden, die Preußen je gesehen hatte. Geradezu königlich. So versprach es Ferdinand Kaselowsky den jungen Industriepionieren um Herrmann Delius, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Ravensberger Spinnerei den Grundstein für die industrielle Produktion von Leinengarn legten. Alles auf dem Gelände, von der Hechelei, über das Flachslager bis zur Anbindung an die neue Köln-Mindener Eisenbahn, sollte ineinandergreifen. Sogar einen Speisesaal für die Arbeiterinnen würde das Fabrikschloss haben. So etwas hatte es noch nicht gegeben.

© Historisches Museum Bielefeld

Hinter der schönen Fassade

Eine junge Spinnerin erzählt
"Aus dem ganzen Land lockten sie uns nach Bielefeld. 1.650 Frauen und Mädchen, angeworben aus dem Ruhrgebiet und den östlichen Provinzen Preußens, arbeiteten Ende des 18. Jahrhunderts in der größten Flachsspinnerei Deutschlands. Doch hinter der schönen Fassade herrschte ein strenges Reglement. „Bramser“ nannten uns die Weberinnen verächtlich. Die hohen Herren strichen uns den Lohn, obwohl wir Stunde um Stunde schufteten. Und am Ende des Tages lasen wir unsere Namen auf der Schandtafel und fielen ins Bett „wie Leichen in ihre Gräber“. Doch dann, kurz nach dem 1. Mai 1890, gingen wir zum ersten Mal auf die Barrikaden."

Der Wandel

Kunst und Kino im Kulturquartier

Ende der 1960er Jahre liegt die Textilindustrie am Boden. Die ehemaligen Gebäude der Ravensberger Spinnerei sind verwaist und sollen einer vierspurigen Straße weichen. Mit dem Widerstand der Bielefelder Bevölkerung rechnet damals niemand. Doch der Bürgerinitiative Spinnerei ist es zu verdanken, dass der Denkmalkomplex erhalten blieb und sich an historischer Stätte ein lebendiges Kulturquartier entwickelt hat.

© Historisches Museum Bielefeld

Industriegeschichte Ostwestfalens

Nachdem bereits die Volkshochschule und die Weiterbildungseinrichtung Arbeit und Leben Räume in der ehemaligen Ravensberger Spinnerei bezogen haben, bekommt im Jahr 1994 auch das Historische Museum hier seinen neuen Standort. Wo die Spinnerinnen einst Leinengarn für den internationalen Markt produzierten, erinnern heute original erhaltene Maschinen sowie Zeugnisse der Arbeiterkultur und des Bürgertums an die Industriegeschichte der Stadt Bielefeld und der Region Ostwestfalen-Lippe.

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© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Kunst und Design

Im wohl schönsten Gebäude der Ravensberger Spinnerei, der 1865 erbauten Direktorenvilla, ist seit 1995 das Museum der „Stiftung Huelsmann“ untergebracht. Eingebettet in eine wunderschöne Parklandschaft, zeigt das Museum kunsthistorisch bedeutende Werke der angewandten Kunst aus der Renaissance, dem Barock und dem Klassizismus. Eine eigene Ausstellung widmet sich der asiatischen Kunst, während in der benachbarte Weiße Villa ausschließlich modernes Design gezeigt wird.

Besuchen Sie das Museum!
© Rainer Witt

Lichtwerk

Kino in historischem Ambiente

Klein, aber fein ist das „Lichtwerk“. Im denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen Tischlerei bietet Bielefelds jüngstes Programmkino in drei Kinosälen Platz für 276 Besucher. Seit 2006 betreibt der Verein Filmhaus Bielefeld e.V. das Kino in dem völlig restaurierten Gebäude und zeigt auch Filme abseits des Mainstream. 

© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Die Story vor Ort erleben

Begeben Sie sich auf eine spannende Zeitreise durch den Ravensberger Park: Mitten in der Innenstadt Bielefelds können Sie die historische Architektur genießen, ein Picknick machen oder Rast nach einer Fahrradtour machen.

Die wechselvolle Geschichte des Parks können Sie sich in der App "Hearonymus" herunterladen (Stichwort: Ravensberger Park), achten Sie auf die Beschilderung vor Ort. Und dann geht es los: Stationen ablaufen, Kapitel auswählen und zuhören.

Neben dem Audioguide für Smartphones gibt es das Entdecker-Paket für Gruppen
Führung im Lichtwerk mit Kaffee und Tee
Eintritt Museum Huelsmann oder Historisches Museum
Mittagessen in der Bielefelder Altstadt
Dauer ca. 4 Stunden, ab 32,50 € pro Person (ab 10 Personen buchbar)

Kontakt & Buchung bei der Bielefeld Marketing GmbH:
Tel. 0521 516102 oder
tourismus@bielefeld-marketing.de

Weitere Infos finden Sie im Flyer "Hörgeschichten im Ravensberger Park":

Download Flyer
Zeitreise durch den Ravensberger Park
Kapitel 1 : Zeitreise durch den Ravensberger Park
Kapitelübersicht
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