Rundwanderweg Nr. 6 von Erkeln über Fine und Beller zurück nach Erkeln.

  • Start: Erkeln an der Dorfkirche St. Petrus in Ketten.
  • Ziel: Erkeln
  • mittel
  • 17,53 km
  • 6 Std. 15 Min.
  • 259 m
  • 321 m
  • 115 m
  • 80 / 100
  • 40 / 100

Beste Jahreszeit

Dieser rund 20 km lange Rundwanderweg bietet Ihnen atemberaubende Ausblicke und viel Natur.

 

Der Rundwanderweg Nr. 6 beginnt in Erkeln an der Dorfkirche St. Petrus in Ketten. Erkeln ist Ortsteil der Stadt Brakel mit ca. 604 Einwohnern (1956 = 881 Einwohner). Der Ursprung dieser Siedlung wird in die vorgermanische Zeit, und zwar auf Grund der ältesten Formen des Ortsnamens „Erclon“ und „Erclen“ in die Epoche keltischer Besiedlung dieses Raumes (ca. 400 v. Chr.) datiert.

Die Pfarrkirche wurde 1722 – 1723 unter dem Pfarrer Detmar Schmitz anstelle der durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges baufällig gewordenen Kirche erbaut. Der geräumige Kirchhof entstand infolge des Brandes am 15.07.1830. Fünf Häuser östlich und nördlich der Kirche brannten ab und wurden nicht wieder aufgebaut. Das für die hiesigen Dörfer gar nicht typische Netz breiter Straßen, die sich im rechten Winkel schneiden, ist ebenfalls die Folge des verheerenden Brandes, bei dem am 21.07.1830 28 Häuser in Schutt und Asche sanken. Der Wiederaufbau erfolgte unter Anlage breiter Straßen, die wie breite Schneisen bei zukünftigen Bränden Brandkatastrophen verhindern sollten.

Der Weg führt durch die „Risskuhle“ (Das Bestimmungswort Riss- ist verwandt mit „Ried“ in der Bedeutung Schilf/Röhricht.), wo im 19. Jahrhundert Weiden zum Flechten von Körben angepflanzt wurden. Die Marienkapelle von 1873 ist Gedenkstätte an die 34 im Ersten Weltkrieg und die 67 im Zweiten Weltkrieg Gefallenen. Auf bräunlichen Kreuzen an den Wänden sind die Namen der Gefallenen zu lesen.

Der Weg führt zunehmend steil bergan. Am Talhang zieht sich die Straße nach Rheder hinauf. Der Blick fällt auf das einstige Vorwerk des Gutes Rheder, die „Antoinettenburg“ (um 1750). Der Name erinnert an Antoinette von Mengersen, die Ehefrau des Grafen Franz Joseph von Mengersen, des Erbauers des Schlosses zu Rheder. Der steile, heute mit Gehölz bewachsene Hang, auf den der Weg zuläuft, ist die ehemalige Ziegenweide, auf der die Ziegen des Dorfes Erkeln von einem Ziegenhirten gehütet wurden.

Ist der schmale Saum des Gehölzes durchquert, erblickt man rechts des Weges ein Feldkreuz von 1892. Auf dem Sockel ist der Name der Stifter genannt. Man sollte es nicht unterlassen, unmittelbar oberhalb des Gehölzes nach links auf einem Wiesenweg ca. 150 m bis zu einem sockellosen Feldkreuz unter einer Eiche zu gehen. Von dieser Stelle bietet sich ein überraschender Blick auf das im Tal der Nethe gelegene und oft vom Hochwasser heimgesuchte Dorf. Nach rechts schweift der Blick über das bis ins Röt eingeschnittene Wiesen- und Waldtal des „Vogelsangs“, in dem die Quellen für die Trinkwasserversorgung des Dorfes gefasst sind, bis zum mächtigen Steinbruch im oberen Muschelkalk mit angeschlossenem Schotterwerk.

Der Weg zur Kuppe des Hampenhäuser Berges quert unmittelbar nach dem genannten Wegkreuz eine oberhalb des Steilhangs gelegene jungsteinzeitliche Siedlung, die 1994 durch Infrarotaufnahmen aus der Luft entdeckt wurde. Eine ca. sechs ha große Fläche wird von einem ca. ein Meter tiefen und ca. drei Meter breiten Graben umschlossen. Nach vorläufiger archäologischer Untersuchung ist dieses Erdwerk ins 4. Jahrtausend v. Chr. zu datieren. Außerhalb der Überschwemmungszone der Nethe, aber noch genügend nahe dem fließenden Gewässer siedelten hier sesshaft gewordene Menschen, die man zu den Bandkeramikern zählt, benannt nach dem Linienband als typischem Schmuckelement auf ihrer Keramik. Sie wohnten in bis zu 50 m langen, rechteckigen, auch trapezförmigen Häusern und lebten vom Anbau von Weizen, Gerste, Erbsen, Bohnen und Flachs. Zu der jungsteinzeitlichen Siedlung passen die jungsteinzeitlichen Arbeitsgeräte, die als Zufallsfunde auf der Kuppe des Berges aufgehoben wurden: Äxte, Beile, Klingen und Pfeilspitzen aus Stein. Diese sowie eine zeichnerische Darstellung des Erdwerks sind in der Erkelner Heimatstube ausgestellt.

Auf dem Weg über den Hampenhäuser Berg und die Fine ist freie Sicht auf den Kamm des Eggegebirges möglich. Er besteht aus hartem Kreidesandstein und hebt sich bei 400 m als Steilstufe im Westen aus dem Landschaftsbild heraus. Sichtbar ist auf einer Kuppe aus Trochitenkalk im durch Verwerfungen und Faltungen entstandenen Hügelland die einstige bischöfliche Residenzstadt Dringenberg (300 m) mit ihrer 1319 als Sommersitz der Paderborner Bischöfe erbauten Burganlage, außerdem Altenheerse (281 m), wo das Damenstift Heerse umfangreichen Besitz und auch die niedere Gerichtsbarkeit besaß. Zwischen beiden Orten wölbt sich markant die bewaldete Kuppe des Steinberges (409 m), wo sich horstartig der Kreidesandstein der Egge findet. Der Steinberg ist also ein Zeuge dafür, dass in weiter zurückliegenden Perioden der Erdgeschichte Kreidekalke der Paderborner Hochfläche sich über die Egge nach Osten erstreckten.

Wenn der Weg das Areal der Radarstellung erreicht, schweift der Blick über eines der sogenannten Heggedörfer: Hampenhausen. Es ist, genau wie Frohnhausen und Auenhausen, in einer Quellmulde gelegen. Die Siedlungen mit dem Grundwort –hausen entstanden im 9. – 11. Jahrhundert im Zuge des mittelalterlichen Landesausbaus. Die benachbarten Klöster, Kloster Gehrden, Kloster Corvey, Kloster Abdinghof in Paderborn, sowie das Damenstift Heerse besaßen Rechte und Ansprüche. Hampenhausen, erstmals als Hambanhusen erwähnt, war um 850 im Besitz des Klosters Corvey.

Die Radarstellung Auenhausen auf 318 m wurde in den Jahren 1955/56 auf dem 15 ha großen Gelände für die britische Royal Air Force errichtet und 1960 von der Luftwaffe der Bundeswehr übernommen. Das jetzige Großraum-Rundsichtradar mit einer Reichweite von 500 km wurde im April 1972 in Betrieb genommen und gegen Witterungseinflüsse 1979 mit einer Kuppel umgeben. Die Radarstellung Auenhausen hatte zur Zeit des Kalten Krieges die Aufgabe, im Radius von 500 km den Luftraum zu überwachen, Flugzeuge zu identifizieren, deren Flugwege zu kontrollieren, die Flugbewegungen der Nato-Flugzeuge zu koordinieren. Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten und der Auflösung des Warschauer Paktes wurde technisches Gerät abgebaut und die Zahl der Soldaten von 450 auf 46 Personen verringert. Deren Aufgabe ist es, das Großraumradargerät zu betreiben. Die Daten werden zur Auswertung an andere Radarstellungen weitergeleitet.

Liegt das umzäunte Gelände der Radarstellung hinter dem Wanderer, ist nach Süden der Blick frei auf den Höhenort Natingen. Er liegt 300 m hoch und ist ein Ortsteil der Stadt Borgentreich mit ca. 400 Einwohnern. Das Dorf galt als Dachdeckerdorf, weil durch Generationen in vielen Familien das Dachdeckerhandwerk ausgeübt wurde. 1996 war es noch mit 3 Betrieben vertreten. Ganz im Süden begrenzt das Panorama der hessischen Vulkankuppen die Sicht.

Der Weg führt nach Osten über das Plateau, Hegge (=Höhe) genannt. Es steigt aus dem Nethetal zwischen Niesen (169 m) und Brakel (128 m) auf 250 – 330 m an. Die weiten Ackerflächen sind schwere Lehmböden, d. h. mit eingelagertem Lößanteil durchsetzte Kalksteinverwitterungsböden. Der Wald linker Hand, „Totenköpfe“ genannt, ist ein von zahlreichen Erosionsschluchten im Muschelkalk zerfurchtes Waldgebiet. Es ist das Trinkwassereinzugsgebiet des Dorfes Erkeln.

Dem Wanderweg folgend, werden die mit einem Tarnanstrich versehenen Gebäude der 1994 vom belgischen Bataillon in Brakel geräumten Stellung für Flugabwehrraketen oberhalb von Tietelsen sichtbar (332 m); dahinter Häuser des Höhenortes Rothe (320 m). Der Weg führt auf das Oberholz zu, das Eigentum des Herzogs von Croy/Dülmen ist.

Nach dem Überqueren der Landstraße 863 Brakel-Tietelsen bietet sich die Möglichkeit der Aussicht. Rechter Hand ist der Kirchturm des Höhendorfes Tietelsen (300 m) zu sehen. Dieses Dorf wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges stark zerstört, weil deutsche Soldaten der amerikanischen Truppe erbitterten Widerstand leisteten. Nach der Beseitigung der Kriegsschäden wurden seit dem Kriegsende nur wenige neue Häuser gebaut. Denn mit dem Nachbarort Rothe ist Tietelsen ein peripher gelegener Ortsteil der Stadt Beverungen, in dem es nur Arbeitsplätze in der Landwirtschaft gibt.

Nach Osten reicht der Blick über das Wesertal bis nach Derenthal auf dem Plateau des Sollings. Im Nordosten erstreckt sich die höchste Platte der Brakeler Muschelkalkschwelle: die Bosseborner Hochfläche, die bis 368 m ansteigt und mit ca. 270 m das Nethetal zwischen Ottbergen und Godelheim überragt. Die einst ruhige Horizontlinie wird seit einigen Jahren von mächtigen Windrädern gestört.

Der Buchenhochwald, durch den der Wanderweg verläuft, ist der ehemalige Erkelner Gemeindewald. Die Gemeinde kaufte den 321,5 ha großen Wald 1827 für 1.150 Taler vom Grafen von Asseburg. Damals war der Holzbestand vor allem infolge der Waldweide durch das Vieh von minderem Wert, so dass der Wald nicht einmal das Gehalt des Försters abwarf. Seit er von Berufsförstern betreut wurde, erholte sich der Wald und wurde für Erkeln zur Quelle des Wohlstandes. Seit der Gemeindereform 1970 ist der Wald Teil des Brakeler Stadtwaldes.

Nach ca. 1 km wird der Breite Platz, ein ehemaliger Hudeplatz, erreicht. Die Schutzhütte mit Feuerstelle unter mächtigen Eichen lädt zur Rast ein. An diesem Punkt kann die Strecke abgekürzt und der Weg bergab zum Ausgangspunkt nach Erkeln gewählt werden. Der Rundwanderweg Nr. 6 führt weiter durch Mischwald, und nach ca. 400 m wird der Waldrand erreicht. Der Rundblick von diesem Standort macht augenfällig, dass ca. 29 % der Katasterfläche des Kreises Höxter bewaldet sind. Zwischen der Kuppe der Bellerburg (241 m) und dem Hang des Amsterberges (247 m) hindurch fällt der Blick auf das Neubaugebiet Ottbergens unterhalb des Stockberges.

Vom Plateau des Schwalbenberges führt der Weg hinab ins Nethetal. Der Fluß hat sich im Laufe der Erdgeschichte zwischen Erkeln und Hembsen breit in die Muschelkalkhochfläche eingegraben und eine breite Auenzone geschaffen. Das Dorf Beller (ca. 229 Einwohner) liegt am östlichen Rand der häufig von Überschwemmungen betroffenen Aue. Viele Häuser sind von der Nethe und der „Flüthe“ eingefasst, die einstmals die Mühle antrieb. Heute hat an der Stelle der einstigen Mühle die Firma Vauth und Sohn ihren Betriebssitz und produziert Formschaumteile als Polstermaterial für Sitze im Flugzeug und öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Wanderweg quert den Mühlengraben, dann die Nethe und führt am westlichen Rand des Nethetals entlang nach Erkeln. Unmittelbar vor der alten Nethebrücke aus Bruchstein, die vor ca. 16 Jahren restauriert wurde, steht die ehemalige Mühle, deren Geschichte bis in das 17. Jahrhundert zurückreicht. Heute erzeugen zwei von Wasserkraft angetriebene Turbinen jährlich ca. 300.000 kWh Strom. An der Kirche endet der Rundwanderweg Nr. 6.

 

Diese Karte verwendet Google Maps. Es gelten die Datenschutzerklärungen von Google.

Allgemeine Informationen

Informationen
  • Rundweg
Wegbeschreibung

Der Rundwanderweg beginnt in Erkeln an der Dorfkirche und führt durch die "Risskuhle" steil bergan über den Hampenhäuser Berg zum Areal der Radarstellung. Liegt das umzäumte Gelände hinter Ihnen, führt der Weg Sie nach Osten über das Plateau, Hegge genannt.

Nach dem Überqueren der Landstraße 863 Brakel-Tietelsen verläuft der Wanderweg durch den Buchenhochwald. Nach ca. 1 km erreichen Sie den "Breiten Platz", eine Schutzhütte mit Feuerstelle. Weiter geht es auf dem Rundwanderweg Nr. 6 durch Mischwald und nach ca.   400 m erreichen Sie den Waldrand.

Vom Plateu des Schwalbenberges führt der Weg hinab ins Nethetal. quert den Mühlengraben in Beller, dann die Nethe und führt Sie am westlichen Rand des Nethetals entlang nach Erkeln.

Ausrüstung

Fernglas, Verpflegung da nicht viele Einkehrmöglichkeiten vorhanden sind.

Anfahrt

B 64 aus Richtung Paderborn  2. Ausfahrt Brakel / aus Richtung Höxter 1. Ausfahrt Brakel.

Öffentliche Verkehrsmittel

Bus

Literatur

Rundwanderweg Brakeler Bergland

Karten

Stadt- und Wanderplan Brakel

Weitere Informationen

www.stadt-brakel.de

tourist-info@brakel.de

Tourist-Information, Am Markt 5, 33034 Brakel / Telefon: 05272/360269

Wetter

Was möchten Sie als nächstes tun?
GPX herunterladen