© Michelle Brockmann
22.10.2019

Das grüne Netz

Grünes „Liebefeld“

Erlebnisbericht aus Bielefeld von Michelle Brockmann

Was gibt es denn Besseres an einem sonnigen Sonntag im Oktober als eine Fahrradtour im Teutoburger Wald? Mein Freund und ich beschlossen Bielefeld unsicher zu machen und in der Stadt, die es nach vielen Mythen eigentlich gar nicht gibt, das Grüne zu erkunden.

Altstadt in der Großstadt

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Mit ca. 333.000 Einwohnern ist Bielefeld die größte Stadt im Teutoburger Wald, hat aber trotzdem auch noch sehr viele schöne, romantische altstädtische Elemente, wie zum Beispiel das alte Rathaus, welches sich neben dem Stadttheater befindet. Direkt hier beginnt auch die Radtour „Das Grüne Netz“. Wir waren doch sehr überrascht, wie schnell der Weg ab der Innenstadt immer grüner wird bis man zu den Stauteichen gelangt.

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Davor kann man jedoch für einen kleinen kulturellen und industriellen Input in dem Museum Wäschefabrik vorbeischauen. Spuren von 80 Jahren in der ehemaligen Wäschefabrik lassen sich versteckt im Hinterhof der Häuser Viktoriastraße 48 und 50 finden. Weiter geht es in Richtung Ravensberger Park. In unimittelbarer Nähe befindet sich auch das historische Museum in Bielefeld, welches die Geschichte der Großstadt anschaulich darstellt.

Erholung an den Stauteichen

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Durch den Ravensberger Park gelangt man zu den Stauteichen in Bielefeld, welche ein optimales Fleckchen für Verschnaufpausen und Schnappschüsse bieten. Die Stauteiche sollen bei starkem Regen Rückstauvolumen geben. So wird der Park nie unter Wasser stehen, denn Regenwasser kann darin gesammelt werden. Die Teiche sollten sogar erweitert und ausgebaut werden, jedoch hat

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dies den Bielefeldern nicht gefallen, woraufhin eine Petition gegen den Ausbau der Stauteiche gestartet wurde. Cafés und Gärten rund um die Teiche sollten dem Ausbau nicht weichen und die Stadt hat dem anschließend zugestimmt. Der nördlich gelegene Stauteich wurde aufgefüllt und die Flächen entlang der Lutter werden als Biotop- und Artenschutzflächen gestaltet, was bei sehr starkem Regen ebenfalls Rückstauvolumen bietet und natürlich für Bielefelder und Besucher sehr schön anzusehen ist. Um sich mal vor dem ganzen Troubel der Großstadt zu entziehen, kann der Ravensberger Park mit seinen drei Stauteichen auf jeden Fall Erholung und Entspannung bieten.

An der Lutter Richtung Heepen

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Die Lutter ist ein kleiner Fluss mit rund 12 Kilometern Länge, der im Bielefelder Stadtteil Quelle entspringt. Seine Bezeichnung stammt aus dem Mittelhochdeutschen und ist eine Abwandlung von „lauter“, wobei es auch für hell, sauber, rein und pur steht. Daher werden oft auch andere Bäche oder Flüsse so genannt. Hierbei wird auch von der Weser-Lutter gesprochen, da diese direkt in die Weser fließt. Die Lutter hat eine sehr interessante Geschichte, denn sie ist nicht natürlichen Ursprungs: sie wurde 1452 von der Gütersloher Lutter (auch Ems-Lutter) abgegraben - sehr zum Ärger der Mönche des Klosters Marienfeld, die um ihre Wasserversorgung fürchteten.

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Diese Entscheidung wurde getroffen, um eine Grundversorgung der Mühlen, Bleichen und Spinnereien der Stadt zu bieten. Ganz unnatürlich ist dieser Bach jedoch auch nicht, da er dem ursprünglichen Bielefelder Bohnenbach zugeleitet wurde. Mit der stetig zunehmenden Versorgung des industriellen Zweigs in Bielefeld kam es, dass die Lutter schließlich in Rohre und unter die Erde verbannt wurde. Dass die Lutter unterirdisch die Altstadt umfließt, wissen die wenigsten Bielefelder - bis auf die Lutter-Fans, die sich zum Beispiel auch 2004 mit der Bürgerinitiative „Pro-Lutter“ dafür einsetzten, ein Teil der unterirdischen Lutter wieder frei zu legen. Seitdem gibt es ein 300 Meter langes fließendes Bielefelder-Gewässer am Gymnasium Waldhof, ebenso ein Stück offene Lutter auf dem Betriebsgelände der Firma Dr. Oetker. Heute ist sie beim Radeln schön anzusehen.

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Auf dem Weg Richtung Heepen sind wir an dem Naturschutzbund vorbeigefahren und haben dort einen kleinen Abstecher gemacht, um einen Apfel zu stibitzen und uns über diverse Vogelarten zu informieren, denn der Naturschutzbund wurde einst als Vogelschutzbund 1899 von der Stuttgarterin Lina Hähnle gegründet. Das hat sich auf jeden Fall auch in Bielefeld ausgezahlt, denn wir haben neben zwei Schwan-Familien, auch einen Storch in der Lutter rumstolzieren sehen. Ein unglaublich schöner und interessanter Vogel - dass Schwäne ja schöne Tiere sind, muss nicht noch einmal ausdrücklich erwähnt werden.

Pure Entspannung am Obersee

Eins der Highlites der Radtour war der Obersee mit seinen idyllischen Grünflächen. Auch hier waren wieder Schwäne zu beobachten, was eine gute Wasserqualität zeigt. Das Restaurant „Seekrug am Obersee“ zeichnet sich neben seinem schmackhaften Angebot auch durch seine wunderschöne Lage aus. Hervorragend kann man am Strand - ach ne, am Obersee - die Seele baumeln lassen. Durch die Sandanlage sowie das Volleyballnetz fühlt es sich tatsächlich so an, als wäre man am Strand. Kleiner Tipp für Dancingqueens, Partyproleten und auch verliebte Paare: Der Seekrug am Obersee ist auch eine sehr attraktive Eventlocation. Sehr schön und eindrucksvoll ist auch das Viadukt - eine Bahnhofsbrücke, welche sich am Rand des Obersees befindet.

Endspurt durch's Grüne

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Nach der kleinen Entspannung am Obersee radeln wir durch weitere geschmackvolle Parkanlagen mit Spielplätzen und vielen Sitzgelegenheiten. Vorbei kommt man auch an dem Nordpark, welcher für sein denkmalgeschütztes Gartenhaus und seine Dahlienschau bekannt ist. Der Park strahlt durch die Korbblütler in farbenfroher Pracht. Ganz am Ende, wenn man durch den Park wieder in Richtung Stadt fährt, kommt man an der Schüco-Arena des Fußballvereins Arminia Bielefeld und auch an der Kunsthalle vorbei.

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Werke von Picasso, Sonia und Robert Delaunay, Max Beckmann und vielen weiteren Künstlern sind dort zu bestaunen. Unmittelbar im Museum befindet sich auch ein Café, um sich bei einem guttuenden Heißgetränk die ästhetischen Eindrücke erst einmal auf sich wirken zu lassen und vielleicht mit dem einen oder anderen Museumsbesucher ins Gespräch zu kommen. Empfehlenswert ist auch das Café in der Bürgerwache auf dem Siegfriedplatz, welches nebenbei auch Raum für politische, kulturelle Veranstaltung bietet. Dort konnten wir mit einem kühlen Bier, einem Kaffee und einem Stück Kuchen bei später, goldener Abendsonne die ereignisreiche Radtour ausklingen lassen.

Fazit: Urban meets Nature

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Der englische Titel ist natürlich absichtlich gewählt, denn wie unschwer zu erkennen sind die vielen Anglizismen in allen deutschen Städten durch Handelsketten wie McDonalds etc. vertreten. Vor allem in Großstädten sind diese deutlich öfter zu sehen als in den kleinen Städten. Die ostwestfälische Natur lässt sich jedoch nicht ganz aus der Stadt verbannen. Dabei kann sich vor allem die Bielefelder Altstadt sehen lassen. Nichts desto trotz ist Bielefeld auch bekannt als Industriegigant mit bekannten Herstellern wie Dr. Oetker, Gildemeister oder Adler Düropp sowei schließlich die bis heute sehr bekannte und erfolgreiche Marke „Gudereit“. Was ein Kokolores wäre es dann, wenn diese Stadt sich dann nicht für attraktive Radwege einsetzt. Daher ist Bielefeld für Fahrradtouren besser geeignet, als es auf den ersten Blick scheint. Natürlich muss man zunächst vom Bahnhof durch die Innenstadt, um zu den schönen Parkanlagen zu gelangen. Das geht jedoch schnell und bei herrlichem Sonnenschein und den Duft von frischen Sträuchern wird der Großstadttroubel ganz schnell vergessen. Ob Bielefelder oder nicht, diese Strecke ist ein empfehlenswertes Erlebnis zwischen Kultur und Erholung.

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