© Janna Kamphof
18.06.2019

Grenzgängerroute

Klischee, aber wahr ...

Erlebnisbericht aus dem Osnabrücker Land von Janna Kamphof

Als Holländerin fahre ich gerne Rad. Und dafür ist die Umgebung von Osnabrück bestens geeignet! Am Freitagnachmittag packe ich meinen Rucksack und steige auf mein Fahrrad für ein Mikroabenteuer: In drei Tagen einen Teil der Grenzgängerroute Teuto-Ems radeln.

Zwischen den Baumkronen auf dem Baumwimpfelpfad Bad Iburg

Baumwipfelpfad, Foto: Janna Kamphof
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Mit enormer Geschwindigkeit radle ich den Hügel hinunter. Der Wind rauscht in meinen Ohren und die Kühe auf der Wiese schauen überrascht auf. Ich kann gerade noch rechtzeitig bremsen für einen Picknickplatz unter dem Baumwipfelpfad: ein Wanderpfad, der zwischen den Baumkronen schwebt. Über mir höre ich Kinder über die Holzstege des Pfades rennen. Es wird ein kurzes Picknick: Ich möchte auch hochgehen! Die Metalltreppe schwingt sanft hin und her, als ich den Turm am Anfang des Weges besteige. Oben angekommen genieße ich einen herrlichen 360-Grad-Blick über die grünen Hügel des Teutoburger Waldes und das Schloss von Bad Iburg. Es gibt Bäume, so weit, wie ich sehen kann. Es ist ein fantastisches Gefühl, auf einer Höhe mit Spechten, Eichhörnchen und anderen Waldbewohnern zu sein. Der Weg zwischen den Baumkronen ist 439 Meter lang.

Hier und da gibt es eine Informationstafel, auf der man beispielsweise lesen kann, dass die Weiß-Eiche wegen der in der Sonne aufleuchtenden Rinde so heißt, dass Totholz für das Leben im Wald wichtig ist und dass der Teutoburger Wald einst flach war, aber durch tektonische Bewegungen hügelig geworden ist.

Superfrischer Spargel mit Blick auf das Osnabrücker Land

Spargel im Landhotel Buller, Foto: Janna Kamphof
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Dass es hügelig ist, bemerke ich, als ich abends schnaufend zu meiner Unterkunft fahre. Aber die Aussicht auf dem Hügel lohnt sich total. Die Abendsonne lässt die Landschaft wie ein Gemälde aussehen. Die letzten paar hundert Meter rase ich wieder den Hügel hinunter.

Im Landhotel Buller in Hagen am Teutoburger Wald kann ich mich sofort zum Abendessen zu Tisch setzen. Ich muss mir die Karte nicht lange ansehen. Wir befinden uns am Rande der Spargelregion und natürlich sollte man das "weiße Gold" dann auch probieren. Der weiße Spargel ist saftig und weich im Geschmack, der grüne leicht würzig und noch etwas knackig, mmmm - lecker! Ganz zu schweigen von dem selbstgemachten Bärlauchpesto.

Ein lokales Frühstück

Die ersten Sonnenstrahlen wecken mich früh auf; ich habe vergessen, die Vorhänge zu schließen. Dann wohl ein frühes Frühstück: Energie tanken für die mehr als 40 Kilometer, die ich vor mir habe. "Vieles, was man auf dem Buffet findet, ist regional", sagt die Dame des Hauses, "Der Honig kommt aus Hagen, die Säfte aus Bad Iburg, die Eier vom Bauernhof hier um die Ecke, und die Marmelade kochen wir auch selbst." Es schmeckt wunderbar! Mein Favorit: das hausgemachte Rhabarberkompott. "Oh, das habe ich vergessen. Natürlich wächst der Rhabarber auch hier auf dem Land", fügt sie hinzu, während ich auschecke.

Die ersten Kilometer der Grenzgängerroute

Markierung Grenzgängerroute, Foto: Janna Kamphof
© Janna Kamphof

Es ist noch angenehm frisch draußen, aber die aufgehende Sonne zeigt, dass es ein warmer Tag wird. Im Schritttempo fahre ich den Hügel hinauf, wo sich das Schloss von Bad Iburg befindet. Ich genieße die engen Gassen und die traditionellen Fachwerkhäuser.

Dann sehe ich das erste Schild der Grenzgängerroute Teuto-Ems. Dieser Radweg führt dich über die ehemaligen Grenzen des heutigen Osnabrücker Landes, des Münsterlandes und von Ostwestfalen-Lippe. Spannend ist, dass diese Wege früher sowohl von Händlern als auch von Salzschmugglern genutzt wurden.

Barfuß durch Lienen

Barfußpark, Foto: Janna Kamphof
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Ich fahre ein wenig die Straße entlang, aber der Radweg führt mich bald wieder zurück in die Natur. Auf der linken und rechten Seite tauchen Bauernhöfe auf. Eine Gruppe von Damhirschen springt erschreckt auf, während ich vorbeifahre. Als ich anhalte, kommen sie doch neugierig zu mir. Ich setze meine Route in Richtung Lienen fort. Kurz bevor ich im Ort ankomme, überquere ich die erste Grenze: vom Osnabrücker Land ins Münsterland und damit von Niedersachsen nach Nordrhein-Westfalen.

Lienen selbst stellt sich als schönes Dorf mit einer enormen Menge an Fachwerkhäusern und Rosen heraus. Das Besondere des staatlich anerkannten Erholungsortes ist der Barfußpark. In diesem Park wurden verschiedene Böden angelegt, die man barfuß betreten kann: von Holzspänen bis hin zu einem schlammigen Bach. Praktisch: Du kannst deine Sachen in einem Schließfach aufbewahren. Der Euro wird als Spende für den weiter kostenlosen Barfußpark verwendet.

Spargelgemeinde Glandorf

Markierung Grenzgängerroute, Foto: Janna Kamphof
© Janna Kamphof

Nach diesem besonderen Erlebnis springe ich voller Energie auf mein Fahrrad und fahre nach Glandorf. Hier kommt der Spargel her, den ich gestern Abend gegessen habe, und unterwegs sehe ich einen Spargelbetrieb nach dem anderen. Glandorf selbst ist klein, aber fein. Die Pättkes-Runde führt dich an allen Sehenswürdigkeiten vorbei, wie der Mühle, der Kirche und einem ehemaligen Speicher, der später die erste Schule in Glandorf wurde. Durch meinen Spaziergang verliere ich für eine Weile die Grenzgängerroute, aber kurz bevor ich die Karte aus dem Rucksack nehmen will, taucht das gut erkennbare blaugrüne Schild wieder auf. Weiter geht's!

Erdbeeren direkt vom Acker

Frische Erdbeeren, Foto: Janna Kamphof
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Ich komme nicht sehr weit, denn die Verlockung frischer Erdbeeren ist zu groß. Während ich auf das Gelände des Erdbeer- und Spargelhofes Toppheide fahre, wird eine neue Ladung Erdbeeren vom Acker gebracht. Ich kaufe ein halbes Kilo. Der Bauer lacht, als ich ihm sage, dass er sie nicht extra einpacken muss, weil ich sie sowieso gleich essen werde.

Chillen am Feldmarksee in Sassenberg

Feldmarksee, Foto: Janna Kamphof
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Die Route zwischen Glandorf und Sassenberg ist eine schöne Abwechslung zwischen ausgedehnten Wiesen und schattigen Wäldern. Plötzlich ist da der Feldmarksee: ein 13 Hektar großer See, der von Wald umgeben ist. Wer vor Energie strotzt, kann schwimmen, Kanu fahren oder einen kurzen Spaziergang im Wald machen. Ansonsten kannst du dich auch einfach am See entspannen. Im Wald gibt es mehrere Holzspielplätze, die (wie ich aus Erfahrung weiß) nicht nur Kindern Spaß machen. Von hier aus sind es noch etwa drei Kilometer nach Sassenberg.

Entlang der Ems nach Warendorf

Die letzten acht Kilometer von heute sind noch überraschend schön: ein Stück durch den Wald und ein Stück entlang der Ems. Warendorf liegt an diesem Fluss, sodass ich nur dem Wasser folgen muss. Diese Stadt ist als Pferdestadt bekannt, und das wird mir sofort bei einer Veranstaltung mit Pferdekutschen gezeigt. Nachdem alle Kutschen durch die Stadt gefahren sind, habe ich einen guten Blick auf die schönen Fassaden der umliegenden Gebäude. Kurz vor Ladenschluss besuche ich noch das historische Rathaus, wo es eine kostenlose Ausstellung über das Handelswesen in Warendorf gibt - sehr empfehlenswert! Da ich morgen einen Stadtrundgang mitmache, bewahre ich die Besichtigungen für morgen auf und setze mich auf die Terrasse des Historischen Brauhauses Warintharpa. Nach einem großen Teller mit typisch Warendorfer Spargelrösti und einem Glas hausgemachter Rhabarberlimonade ist es Zeit zum Schlafen.

Stadtrundgang in Warendorf

Warendorf, Foto: Janna Kamphof
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Um 10:00 Uhr pünktlich stehe ich vor dem Rathaus bereit, um mich dem Stadtrundgang anzuschließen. Ich scheine heute die Einzige zu sein, aber das hindert Ludger Preckel nicht daran, in leuchtenden Farben die Geschichte von Warendorf auszumalen. Er erzählt mir, dass die Gebäude auf dem Marktplatz aus fünf verschiedenen Jahrhunderten stammen und dass alles, was man sieht, original ist, weil Warendorf während des Zweiten Weltkriegs nicht betroffen war. Schließlich führt mich Herr Preckel zum Landgestüt. Seit 180 Jahren werden hier Hengste gezüchtet. Das Gelände umfasst acht Hektar und bietet Platz für 160 Pferde. Regelmäßig finden Veranstaltungen statt, aber auch an einem normalen Tag ist es beeindruckend, durch die Ställe zu gehen.

Endstation: Ostbevern

Danach setze ich mich auf mein Fahrrad für die letzte Etappe. Ich fahre wieder ein ganzes Stück entlang der Ems, was mir an diesem sommerlichen Tag etwas Abkühlung verschafft. Schattige Wälder und sonnenüberflutete Wiesen wechseln sich ab. Schließlich erreiche ich Ostbevern. Hier werde ich später in den Zug nach Osnabrück steigen, aber zuerst beschließe ich, noch die kurze Strecke zum Wasserschloss Loburg zu fahren. Diese Burg wurde erstmals in einer Urkunde von 1294 erwähnt. Heute gibt es hier eine Schule mit einem Internat. Ich bewundere das Schloss und radle dann zum Bahnhof Ostbevern. Ich setze mich auf eine Bank, schließe mein Fahrrad ab und trinke den letzten Schluck Wasser.

In drei Tagen bin ich durch zwei Bundesländer,  zwei Kreise und über viele historische Grenzen gefahren. Ich habe etwas mehr als die Hälfte der Grenzgängerroute zurückgelegt und kann es kaum erwarten, den Rest zu entdecken!

Weitere Infos zur Route gibt es hier:

Zu Janna Kamphofs Blog mit einem Video der Erlebnisse geht's hier:

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