07.06.2019

Wandern auf dem Holzweg

Wandern auf dem Holzweg

Erlebnisbericht aus Lage-Hörste

© Jacqueline Heger

Es ist Montagmorgen und ich bin unterwegs in Lage-Hörste, ein staatlich anerkannter Luftkurort, umgeben von Wald, Feldern und Wiesen. In diesem idyllischen Örtchen wurde im Oktober 2018 im Rahmen des Naturschutzgroßprojekt Senne und Teutoburger Wald der rund 11 km lange Holzweg eingeweiht, der nicht nur durch Hörste verläuft, sondern auch zu den Schottischen Hochlandrindern und den Ex-Moor Ponys in Oerlinghausen führt. Startpunkt ist die Waldgaststätte Bienenschmidt (Kalkreute 100, 32791 Lage). Hier verschafft eine große Infotafel über den Holzweg einen ersten guten Überblick. Thematischer Schwerpunkt des Holzweges ist der Buchenwald mit seinen typischen Pflanzen-und Tierarten, aber auch die zurzeit noch von den Nadelbäumen dominierten Weidewälder der Senne stehen auf dem Programm. Den Weg weist mir ein Schwarzspecht. Dieser Weg soll uns unsere heimischen Wälder wieder näher bringen.

Ich starte gegen 10:00 Uhr auf dem Rundweg und halte mich links. Später  weiß ich, dass der Weg durch Schluchten und über den Kamm des Teutoburger Waldes führt und so manchen steileren Anstieg mit sich bringt - es ist aber alles durchaus machbar

Natur und Kultur im Einklang

 

Auf meiner Wanderung hatte ich den Weg fast komplett für mich alleine. Lediglich in der Wistinghauser Senne bin ich einer Familie begegnet. Eine gute Möglichkeit also, einmal abzuschalten und für sich selbst zu sein. Durch die angenehme Stille konnte ich die Geräusche und Düfte des Waldes ganz bewusst wahrnehmen-das Zwitschern der Vögel, das Rascheln kleiner Mäuse, die durch das Unterholz laufen oder das junge Grün der austreibenden Bäume.

Wenn ihr Glück habt (so wie ich) begegnet euch sogar ein Schwarzspecht, der das Wegezeichen ziert, auch auf eurem Weg durch den Hörster Wald.

Die ersten Kilometer verläuft der Holzweg nicht nur parallel zum Hermannsweg, sondern auch parallel zum Literarischen Wanderweg, der später dann bis in den Waldkurpark in Hörste führt. In bestimmten Abschnitten laden selbst verfasste Gedichte von den Autorenvereinigungen „Garten der Poesie“ und „LipPen“, die sich mit ganz unterschiedlichen und facettenreichen Themen beschäftigen, zum Nachdenken und Verweilen ein. Für mich waren diese Gedichte eine tolle Ergänzung  und Abwechslung im Wegeverlauf.

Naturwaldzelle am Hermannsberg

An der ersten Weggabelung trennen sich der Holzweg und der Hermannsweg. Ich folge dem Holzweg weiter. Der Weg führt mich über den Gingweg, die wohl steilste Steigung an diesem Tag. Wenn ihr diese aber geschafft habt, habt ihr den anstrengendsten Teil der Wanderung hinter euch. Nach dem Anstieg finde ich die erste Infotafel, die über Naturwaldzellen informiert. Die Naturwaldzelle am Hermannsberg zählt mit ca. 81 ha zu den größten Naturwaldzellen in NRW. Der Waldbestand auf dieser Fläche ist dem Platterbsen-Buchenwald zuzuordnen, einer Waldformation, die für Kalkstandorte typisch ist. Besonders alte und große Rotbuchen finden sich im Kammbereich des Hermannsbergs.

Entlang der Senne

© Jacqueline Heger

Vorbei an der Naturwaldzelle führt der Holzweg rechts weiter auf den Lönspfad, der ein Stück später dann parallel zum Sennerandweg verläuft. Hier könnt ihr zwischen den Baumlücken schon einen Blick auf die Sennelandschaft werfen. Schon bald gelange ich zu einer Schutzhütte, von der aus sich mir ein Blick auf den Bundeswehrtruppen-übungsplatz „Stapel“ eröffnet. Ihr könnt sehen, dass dort offene Sandflächen das Bild prägen.

© Jacqueline Heger

So bekommt man einen guten Eindruck, wie sich das Erscheinungsbild der Senne in früheren Zeiten einmal dargestellt haben könnte. Die Weitläufigkeit und Ungestörtheit von Truppenübungsplätzen ist für das Vorkommen von größeren Waldtieren wie Rot- und Damwild von großer Bedeutung. Leider habe ich an diesem Tag keine gesehen, aber vielleicht habt ihr auf eurer Wanderung ja mehr Glück.

Waldweiden an der Wistinghauser Senne

Nachdem ich eine Weile den Sennerandweg entlang gewandert bin, bin ich auf ein weiteres Highlight des Holzweges, die Waldweiden der Wistinghauser Senne, gestoßen. Hier stößt der Holzweg auch auf die Ochsentour, die um die gesamte Weidefläche herum führt. Ich bin also den Schildern des Holzweges und der Ochsentour entlang der Schaukoppeln gefolgt. Kurz bevor mich der Holzweg rechts wieder in den Wald hinein führen sollte, habe ich sie dann endlich gesehen- die Schottischen Hochlandrinder. Dazu habe ich für ein kurzes Stück meine geplante Route verlassen und bin links einen Schotterweg herunter gelaufen, um an das Gatter zu gelangen, wo die Rinder gemütlich gegrast haben. Diese faszinierenden Tiere mit ihren langen Hörnern und dem dichten, wuscheligem Fell, haben mich in ihren Bann gezogen und ich habe sie für eine ganz Weile beobachtet. Solltet ihr die Ochsentour auch einmal ablaufen wollen, dann könnt ihr sogar durch die Schaukoppeln gehen, ganz nah an den Tieren vorbei. Ich habe mich jedoch wieder zurück auf meinen eigentlichen Weg begeben.

Waldumbau, Buchenarten und Waldgeschichte

Auf dem letzten Stück des Holzweges konnte ich mich durch drei weitere Infotafeln über verschiedene interessante Aspekte über den Buchenwald informieren. So sollen z.B. die Buchen in den Wäldern des Teutoburger Waldes gefördert und das Durchschnittsalter erhöht werden. Auch die geschichtlichen Hintergründe sind sehr wissenswert. Ihr könnt erfahren, wie Menschen früher die Wälder gerodet haben und warum die Fichte zur Wiederaufforstung verwendet wurde.

Fazit

© Jacqueline Heger

Nach ca. vier Stunden Wanderung mit Pause bei den Schottischen Hochlandrindern bin ich wieder bei der Waldgaststätte Bienenschmidt und somit an meinem Auto angekommen. Der Weg hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wenn ihr Zeit für euch sucht, die Natur besser wahrnehmen wollt und ihr euch für die heimische Tier-und Pflanzenwelt interessiert, solltet ihr den Holzweg unbedingt erwandern. Ihr habt sogar die Möglichkeit, euch nach der Wanderung bei Bienenschmidt mit regionaltypischen Köstlichkeiten zur stärken und die Wanderung somit entspannt ausklingen zu lassen.

© Jacqueline Heger

Wenn ihr Lust habt in einer Gruppe zu wandern und gleichzeitig noch mehr über den Holzweg zu erfahren, könnt ihr am 21.07.2019 um 14:00 Uhr oder am 21.09.2019 um 13:00 Uhr an einer geführten Wanderung auf dem Holzweg teilnehmen. Weitere Informationen dazu erhaltet ihr bei der
Tourist-Information Lage unter Tel.: 05232 8193
oder verkehrsamt@lage.de.

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