© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Es plaudert die Mühle

Traditionsreiches Handwerk im Kreis Minden-Lübbecke

© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Lebendige Geschichte(n)

Lauschen Sie mal!

Nirgendwo sonst in Deutschland lässt sich eines der ältesten Handwerke so hautnah erleben wie im Kreis Minden-Lübbecke. 46 restaurierte und noch immer funktionstüchtige Wind-, Wasser- und Rossmühlen reihen sich hier entlang der Weser aneinander. Eingebettet in eine reizvolle Landschaft, halten sie eine Jahrhunderte alte Tradition lebendig. 

Fünf dieser Mühlen stellen wir Ihnen im Folgenden vor. Ihnen haben wir buchstäblich eine Stimme verliehen und lassen sie an Ort und Stelle selbst zu Wort kommen. Statten Sie den Mühlen also einen Besuch ab und hören Sie, was sie Ihnen über die Geschichte der Region und der Menschen, die hier leben, zu erzählen haben!

© Winfried Hedrich

Noch jung in der Gegend

Die Bockwindmühle Oppenwehe ist die jüngste Mühle in der Gegend. Der Müller Wilhelm Piel ließ die Schlossmühle im Jahr 1868 auf eigenes Risiko in Preußisch-Oldendorf ab- und in Oppenwehe wieder aufbauen. Drei Jahre dauerte der Umzug mit Pferd und Wagen, den die Müller „Umrollen“ nennen. Eigentlich eine verrückte Idee, aber Piel war ein Mann der Tat. Und Mumm hatte er. Der Erfolg gab ihm schließlich recht. Noch bis in die 1950er Jahre blieb die aus Pappelholz gebaute Bockwindmühle im Familienbesitz.

Mehr erfahren
© Christian Schwier

Stürmische Zeiten

Von der jüngsten geht es weiter zur ältesten Mühle im Kreis Minden-Lübbecke. Die Bockwindmühle Wehe hat stürmische Zeiten erlebt. Um 1650 sozusagen aus der Not geboren, um die Eicheln der Kopfweiden zu Mehl zu verarbeiten, diente sie erst der Kirche und später dem preußischen Staat, der den „hölzernen Kasten“ 1732 gar zur Königsmühle ernannte. Denn alle wollten das bisschen Geld der Bauern. Doch die Mahltage waren stets Festtage. Und sind es noch.

Mehr erfahren
© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Mühle mit Familienanschluss

Es war wahrlich ein schlechter Handel für den Müller Hermann Heinrich Selle. Sage und schreibe 3.000 Taler zahlte er einst für die 1724 erbaute Königsmühle Eilhausen. Zwar durfte er die umliegenden Obstbäume und den Esel für sich nutzen, das Haus des Müllers allerdings blieb ihm verwehrt. Denn im Kaufpreis inbegriffen war der Stiefschwiegervater des Vorbesitzers, dem Selle lebenslanges Wohnrecht einräumen musste. Doch der Müller war ein rechtschaffener und tüchtiger Mann. Ebenso Schwiegertochter Luise und Hermann Heinrich junior. Lernen Sie die beiden beim Besuch der ältesten steinernen Mühle kennen!

Mehr erfahren
© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Diebstahl im Auftrag Seiner Majestät

Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. höchstselbst war es, der den Bauern im Jahr 1731 befahl, Steine für den Bau einer Mühle zu stehlen. Doch schon knapp 100 Jahre später wäre die massive Königsmühle Seelenfeld bereits ruiniert gewesen, hätte es nicht den findigen Müller Johann Friedrich Christian Dralle gegeben. 1823 kaufte er die Mühle, nachdem erst ein Trunkenbold und Spieler sich nicht ums Geschäft geschert und schließlich Napoleon die Müller an den Rand des Ruins getrieben hatte. Doch Dralle machte die Mühle wieder flott und sicherte so die Existenz für Generationen seiner Familie, die noch heute auf dem Hof zu Hause ist.

Mehr erfahren
© Winfried Hedrich

Eine Wassermühle ohne Wasser

Ein lauter Knall – und weg war der Bach. Von jetzt auf gleich entzog eine missglückte Sprengung im Bergwerk den sechs kleinen Bauernmüllern in Kleinbremen ihre Existenzgrundlage. Alle Räder standen still. Doch Friedrich, ein echtes Schlitzohr, ließ sich nicht unterkriegen. Gemeinsam mit den anderen Müllern zog er vor Gericht gegen die Zeche. Mit Erfolg – und Fortschritt. Denn dank Elektromotoren und einem Kraftwerksanschluss begann in der Wassermühle Kleinbremen eine neue Zeitrechnung. Die Räder liefen wieder. Bis heute.

Mehr erfahren
© Teutoburger Wald Tourismus, M. Schoberer

Die Mühlenroute mit dem Rad erleben

Besonders gut lässt sich der Kreis Minden-Lübbecke mit dem Rad erkunden. Entlang der Weser führt die Mühlenroute durch reizvolle Moor- und Ackerbaulandschaften, malerische Dörfer und lebendige Kleinstädte zu den 46 historischen Wind-, Wasser- und Rossmühlen. Diese sind von April bis Oktober abwechselnd in Betrieb und laden regelmäßig zu Mühlen- und Backtagen ein. Besucher erleben hier eines der ältesten Handwerke live und genießen in Müllerhäusern und Biergärten frisch gebackenes Brot, Kuchen und leckere westfälische Spezialitäten.

Weitere Infos zur Mühlenroute
Es plaudert die Mühle
Kapitel 1 : Es plaudert die Mühle
Kapitelübersicht
Besuchen Sie die Mühlen im Mühlenkreis