Volksschule Holsen

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Sehenswürdigkeit divers

Volksschule Holsen von 1887 bis 1968

Musikschule der Gemeinde Hüllhorst
Dorfgemeinschaftshaus, Feuerwehrstandort und Sportzentrum des Ortsteils Holsen,
Vereinsraum des Rassegeflügelzuchtvereins

Im Mittelalter entstanden neben höheren Schulen, den Domschulen, den Stiftsschulen und den städtischen Lateinschulen in den Städten als Vorläuferinnen der späteren Volksschulen Schreibschulen, in denen nur Lesen, Schreiben und Rechnen gelehrt wurde. Nur ausnahmsweise unterhielten auch Dörfer eine Schreibschule.

Die erste Aufzeichnung über eine evangelische Volksschule in Schnathorst stammt von dem Pastor Johann Michael Heyer, der bei seinem Amtsantritt im Jahre 1783 die Schule vorfand, über die er als Pastor die Aufsicht auszuüben hatte. Die Schule bestand aus einer Hauptstelle in Schnathorst und einer Nebenstelle in Tengern (Tennigern).

Im 19. Jahrhundert verfügten im Kirchspiel Schnathorst, zu dem auch Holsen gehörte, nur die Gemeinden Schnathorst und Tengern über eigene Schulen. Holsen und Bröderhausen bildeten mit Schnathorst einen Schulverband. Die Kinder aus der Gemeinde Holsen konnten nur über schlechte Feld- und Hohlwege durch den ‚Schling’ zur Schule in Schnathorst gelangen. Der 'Schling' bildete in regenreichen Zeiten oder bei Schneeverwehungen ein unüberwindliches Hindernis, und die Kinder aus Holsen mussten oft wochenlang dem Unterricht fernbleiben.

Daher richteten die Holsener Bürger im Jahre 1880 ein Gesuch an die Königliche Regierung, in Holsen ein Schulgebäude zu errichten. Dem Gesuch wurde von der Regierung mit Schreiben vom 07.06.1881stattgegeben. Der Schulverband unter Führung des Pastors Dahlhaus votierte stattdessen für eine Schulerweiterung in Schnathorst und versuchte mit allen Mitteln den Bau in Holsen immer wieder zu verhindern. Fünf Jahre später gelang es schließlich durch Vermittlung des spätere Reichtags- und Landtagsabgeordneten Landwirt Sielermann das Ränkespiel zu beenden.

Die Regierung ordnete mit Schreiben vom 06.02.1886 den Bau der Schule an. Die Grundsteinlegung erfolgte dann bereits im April desselben Jahres. Fertiggestellt wurde der Bau im Jahre 1887. Das Gebäude enthielt einen Klassenraum und eine Lehrerwohnung.

Im ersten Jahr unterrichte der aus Schnathorst abgeordneter Lehrer Wirminghaus, der sich aber bei den Holsenern, Schülern wie Eltern, keine Freunde schuf. Der erste Inhaber der Schulstelle Holsen, August Brackmeier, wirkte hier seit 1888 36 Jahre lang und machte sich dabei in vielerlei Ämtern um die Gemeinde verdient. Allgemeines Aufsehen erregte er als erster Hochradfahrer im Amte Hüllhorst.
1908 schied die Gemeinde Holsen aus dem Schulverband mit Schnathorst aus und bildete einen selbständigen Schulverband aus den Ortsteilen Fettenholsen, Magernholsen und Kümmerdingsen.
Da die Kinderzahl in Holsen in den folgenden Jahren stark anstieg, musste eine Erweiterung des Gebäudes vorgenommen werden. Im Jahre 1912 baute man an der Ostseite einen zweiten Klassenraum an und richtete im Dachgeschoss die Wohnung für einen zweiten Lehrer ein.
1947 erhielt die Schule die dritte Lehrerstelle, der dritte Klasseraum wurde aber erst 1954/55 gebaut. Hierzu wurde ein neues Gebäude mit einer Verbindung zum Altbau errichtet. Der Neubau enthielt neben dem dritten Klassenraum ein Lehrerzimmer und einen Lehrmittelraum.

In der Weiterentwicklung der Bildungspolitik forderte die Schulpflegschaft 1960 einen weiteren Ausbau der Schule im Rahmen der Schulbaurichtlinien des Landes. 1962 wurde vom Rat der Um- und Neubau beschlossen. Der alte Gebäudeteil wurde abgerissen und unter Einbeziehung des Anbaus von 1955 eine vierklassige Schule mit Sporthalle und Lehrerwohnhaus errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte noch im Jahre 1962. Mit dem Schuljahr 1963/64 wurden die Klassenräume bezogen und im September 1964, nach Fertigstellung aller Gebäude, erfolgte die feierliche Einweihung.

Um die Leistungsfähigkeit der Volksschulen zu steigern, erließ das Land NRW ein neues Schulgesetz, das die Volksschulen in Grundschulen und Hauptschulen aufteilte. Man wollte erreichen, dass überall Jahrgangsklassen gebildet werden konnten. Darüber hinaus wurde die allgemeine Schulpflicht ausgedehnt.
Grundschule Holsen

Um der Zielsetzungen der Reform gerecht werden zu können, mussten sich die Gemeinden in neuen Schulverbänden organisieren. Im Ostteil des Amtes Hüllhorst wurde für die Gemeinden Bröderhausen, Holsen, Huchzen, Schnathorst und Tengern in Schnathorst eine Hauptschule, in Holsen und Tengern je eine Grundschule gebildet.

Damit ging in Holsen eine 80 Jahre währende Schulselbständigkeit zuende. Nur noch die Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 4 konnten hier zur Schule gehen. Die Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 10, soweit sie nicht andernorts eine Realschule oder ein Gymnasium besuchten, machten sich wieder einmal auf den Weg nach Schnathorst.
Die Schulleiterstelle in Holsen erhielt der bisherige Leiter der Volksschule Bröderhausen, Bruno Kraekel. Die Gemeinde unterstützte die vielfältigen Aktivitäten des Lehrerkollegiums und legte unter Mithilfe des Sportvereins 1970 in geringer Entfernung von der Schule im Mühlenfeld auf einem Pachtgrundstück einen Sportplatz an.
Leider war der Schule keine große Lebensdauer beschieden. Da die Schülerzahl von maximal 145 im Jahre 1972 bis 1980 auf 94 absank, entschied der Rat der Großgemeinde in Absprache mit der Schulaufsicht zum Leidwesen der Holsener Bürger, die Grundschule in Holsen zu schließen und dafür in Schnathorst durch einen Neubau ein erweitertes Angebot zu schaffen.
Damit war nach etwa hundert Jahren selbständiger Schulen in Holsen der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Die Holsener Kinder gingen in Schnathorst zur Schule. Ein positiver Aspekt ergab sich aber für die Holsener. Für den Gebäudekomplex der Schule in Holsen konnte als Dorfgemeinschaftshaus und Jugendmusikschule eine sehr sinnvolle Nutzung gefunden werden.

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