Der Wallücker-Willem

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Sehenswürdigkeit divers
Ohne die Erzvorräte im Wiehengebirge hätte es die Wallückebahn niemals gegeben. Aber auch Personen- und Güterverkehr haben den „Wallücker-Willem" mit geprägt.

Im Jahre 1891 erwarb der Georgs-Marien -Bergwerks- und Hütten-Verein (GMBHV) die auf 11 Millionen Tonnen geschätzte Erzlagerstätte östlich der Wallücke. Der Abtransport der Erze warf größere Probleme auf. Anfänglich wurde an den Bau einer Seilbahn bis zur Staatsbahn bei Löhne gedacht. Aber die zu erwartenden Transportkosten für den Weg von Löhne bis Georgsmarienhütte waren zu hoch.

Erst als die preußische Staatsbahn die gleichen Tarife wie für die östlich der Porta gewonnenen Erze anbot, wurde der Erzabbau in der Wallücke für den GMBHV rentabel.
Da in Löhne eine zusätzliche Brücke erforderlich geworden wäre, entschied man sich für den kostengünstigeren Anschluss in Kirchlengern.

Die erste geplante Strecke verlief über Häver, Huchzen, Tengern und Schnathorst zur Wallücke. Dies wäre eine reine Grubenbahn gewesen ohne Personen- und Güterverkehr.
Gemeinde Tengern verlangt „Konzessionsabgabe"

Die Kreise Lübbecke und Herford wünschten für diesen bisher verkehrstechnisch nicht erschlossenen Bereich, eine öffentliche Eisenbahn zu bauen. Dem GMBHV war es recht, denn neben der Hilfestellung der Kreise beim Grunderwerb wurden auch öffentliche Mittel bereitgestellt. Man einigte sich dann auf die Strecke von Kirchlengern über Obernbeck, Mennighüffen, Haistern, Tengern und Schnathorst zur Wallücke.

Obwohl die Kreise mit im Boot waren, gestaltete sich der Grundstückserwerb teilweise recht schwierig. So waren die Grundstückseigentümer nicht bereit, ihre Grundstücke zu veräußern.

Außerdem beschloss die Gemeinde Tengern am 5. September 1895, dem GMBHV nur dann die Benutzung der Gemeindewege zu genehmi¬gen, wenn der GMBHV eine jährliche Entschädigung von 150,- DM zahlen würde. Erst eine Kreistagssitzung am 14. Oktober 1895 konnte die Forderung zurückschrauben, da sonst der Bahnbau insgesamt gefährdet worden wäre.

Erst kein Stopp in Mennighüffen

Die meisten Einwände und Verzögerungen kamen aus der Gemeinde Mennighüffen. Das führte dazu, dass die Wallücke-Bahn erst ein Vierteljahr nach der Betriebseröffnung in Mennighüffen anhielt.
Viele sahen darin eine Bestrafung der Mennighüffener durch den GMBHV
Trotz aller Schwierigkeiten war mit den vorbereitenden Bauarbeiten und mit der Anfuhr der Baumaterialien bereits Ende März 1896 begonnen worden. Anfang 1897 waren die Erdarbeiten weitgehend abgeschlossen. Die Gleise wurden von Kirchlengern aus verlegt und sofort von Bauzügen befahren.

Auf der Wallücke entstand 1897 ein Zechenplatz mit Sturz- und Verladeeinrichtung, Magazin, Schmiede, Schreinerei und Sozialgebäude.
17 Paragraphen regeln die Personenbeförderung

Am 1. September 1897 veröffentlichte der GMBHV die Verkehrsbestimmungen und Tarife für die Wallücke-Bahn.
17 Paragraphen befassten sich mit der Personenbeförderung. Der Paragraph 5 bestimmte, dass Militär vom Feldwebel abwärts in der 3. Klasse für den halben Preis befördert wurde.

Die gleiche Ermäßigung genossen auch Angehörige von Musikkorps von mindestens 15 Mitgliedern, auch wenn sie nicht Militärmusiker waren. Personen, die sich der öffentlichen Krankenpflege widmeten, konnten ebenfalls zum halben Preis reisen.
In besonders dringenden Fällen konnte ein¬zelnen Fahrgästen, nach Ermessen des Zugführers, auch die Mitfahrt in einem Güterzug gestattet werden.
Es musste dann eine Fahrkarte 2. Klasse gekauft und ein Zuschlag von l,- Mark gezahlt werden. Schwarzfahrer mussten mit einer Strafe von 2,- Mark rechnen.
Der Paragraph 30 bestimmte, dass auf der Wallücke-Bahn „wilde Thiere überhaupt nicht und anderes Vieh nur insoweit zur Beförderung angenommen, als sich vorhandene Wagen und Verladeeinrichtungen hierzu eignen". Die Fahrpreise für die Gesamtstrecke betrugen in der
• 2. Klasse: 75 Pfennige
• 3. Klasse: 50 Pfennige

Am 25. September 1897 war es dann soweit. Die Wallücke-Bahn wurde im Beisein vieler prominenter Gäste eröffnet. Treffpunkt war Haus Beck, wo nach einer Besichtigungsfahrt bis zum Endbahnhof Wallücke in einem geräumigen Zelt das Festmahl gereicht wurde.

Tengerner Kalbsrücken mit Westscheidter Salat
Für die 70 Gäste war eine spezielle Speisefolge ausgewählt worden.
• Wallücker Brühe
• Werreforellen mit Obernbecker Butter
• Schnathorster Feldhühner mit
Mennighüffer Sauerkraut
• Tengerner Kalbsrücken mit Westscheidter
Salat und Halsterner Eingemacht
• Als Nachtisch gab es Schmalspur-Pudding
und Grubenkäse.

Für Brennstoff zur Dampferzeugung war ebenfalls gesorgt.

Am 1. Oktober 1897 nahm die Wallücke-Bahn dann den öffentlichen Betrieb auf.
1904 wurden zum ersten Mal rote, Zahlen geschrieben, die aber durch Überschüsse in den Jahren 1905 und 1906 ausgeglichen werden konnten.

1908 brachte einen Rückgang der Einnahmen im Erztransport.

1909 wurde die Kleinbahn in Löhne so verlegt, dass der Zug von Kirchlengern kommend über Löhne durchfahren konnte und nicht mehr den Stich von Haus Beck bis Löhne mit Kehre fahren musste.

Nachdem ab 1914 die Bahn wieder rote Zahlen schrieb, wurde 1917 von dem GMB der Antrag auf Stilllegung der Wallücke-Bi gestellt, da die Erze minderwertig waren, den Jahren 1920 und 1922 wurde ebenfalls Einstellung des Bahnbetriebes gefordert.

1923 folgte dann die Betriebseinschränkung.
Nur am Wochenende fuhren noch die Z der Wallücke-Bahn. Auch diese Maßnahmen konnten die Einstellung der Bahn nicht verhindern.

Erste Stilllegung 1923

Am 6. Dezember 1923 wurde die Wallücker Bahn stillgelegt.
Die Bevölkerung der anliegenden Gemeinden wehrte sich gegen die Stilllegung und hatte damit Erfolg.

1925 Betrieb in öffentlicher Hand

Ab Oktober 1925 wurde die Kleinbahn durch die Kreise Herford, Lübbecke und Minden eröffnet und betrieben. Nach guten Geschäftsjahren zeichnete sich ab 1932 der Niedergang der Bahn ab.

1937: Endgültige Stilllegung

Quelle: Auszug aus der Tengern-Chronik, 2000

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