Vierländereck

Infopunkt
Historische Stätte
Vier selbständige Staaten stießen hier in früheren Zeiten aneinander. Das dürfte einzigartig in ganz Deutschland sein.
Die Grafschaft Ravensberg (Bielefeld-Sennestadt), das Fürstentum Lippe (Oerlinghausen-Lipperreihe), die Grafschaft Rietberg (Schloß Holte) und das Fürstbistum Paderborn (Stukenbrock).
Soldaten für Preußen
Die Garnisonstadt Bielefeld hatte im 17. Jahrhundert großen Bedarf an neuen Soldaten. Also wurden Werber in die Umgebung geschickt, die mit List, Gewalt oder Alkohol aus dem Lippischen für den Militärdienst einwarben. Abgeschreckt von dem harten Dienst versuchten einige, möglichst schnell wieder in ihre Heimatdörfer zu gelangen. Doch sobald ein Deserteur seine Einheit verlassen hatte, wurde auf der Sparrenburg die große Bollerkanone gezündet. Wenn der Knall ertönte, den man noch bis Lämershagen und Gräfinghagen hörte, dann mussten die Männer dort mit Knüppeln und Mistgabeln bewaffnet nach den Geflohenen Ausschau halten. Als Anreiz gab es für jeden aufgegriffenen Deserteur mehrere Taler.
Zölle und Schmuggel
Strafzölle sind bei Weitem kein Druckmittel allein heutiger Tage. Sie gab es zum Beispiel schon um1840 – unmittelbar vor unserer Haustür. Der Staat Preußen, der mit der Grafschaft Ravensberg und Bielefeld nur zwei Kilometer vom lippischen Oerlinghausen entfernt lag, setzte die Zölle auf Leinen- und Wäscheprodukte hoch, um den Nachbarstaat Lippe wirtschaftlich zu treffen. Hintergrund war, dass Preußen mit süddeutschen Statten sowie mit Sachsen und Thüringen 1834 zum deutschen Zollverein zusammengeschlossen hatte. Das Fürstentum Lippe aber war der Zollunion (noch) nicht beigetreten, zusammen mit Hannover und Braunschweig. Lippe konnte so seine Waren billiger anbieten. Die Folge war ein blühendes Schmuggelwesen auf dunklen Pfaden nach Preußen. Die lippische Wirtschaft profitierte enorm vom illegalen Warenstrom. Das Fürstentum kaufte Zucker, Kaffee, Gewürze, Branntwein und andere Lebensmittel im Seehafen Bremen auf. Die Waren gelangten über die Weser und den lippischen Weserhafen Erder zollfrei ins Land. Preußen dagegen erhob zehn Prozent Zoll auf seine eingeführten Produkte. Im Grenzdorf Oerlinghausen machten sich arbeitslose junge Leute auf, um die Waren bei Nacht und Nebel über die Grenze zu transportieren. Die Gefahr war allerdings erheblich, bei den nächtlichen Streifzügen durchs Schopketal oder über die Lämershagener Berge gefasst oder von preußischen Grenzwächtern erschossen zu werden. Doch die blanke Not ob der kümmerlichen Ernten in der unwirtlichen Senne zwang viele, das Risiko auf sich zu nehmen, um die Familien zu ernähren.
In Stukenbrock gab es sogar einen Schmugglerweg, den man Zuckerweg nannte. Diverse Schmugglerwege führten auch vom Bartholdskrug oder vom Jakobskrug in der„Lippischen Reihe“ bei Nacht und Nebel ins Preußische. Erst als 1842 quasi gezwungenermaßen das Fürstentum Lippe dem Deutschen Zollverein beitrat, hörte das Schmuggeln auf. Preußen hatte die Zollsätze für das Hauptausfuhrprodukt des Landes, lippisches Leinen, derart erhöht, dass die Leinenproduktion in Lippe quasi zum Erliegen kam. Nach Beitritt zur Zollunion fand die geschmuggelte Ware wegen des angeglichenen Preises keine Abnehmer mehr.
 
 
Noch eine besondere Annekdote: Vom Kopf einer Schmugglergruppe Kaufmann Krome aus Oerlinghausen ist bekannt, dass er zu Spitzenzeiten bis zu sechs Leute als Transporteure für sich beschäftigte. Er arbeitete mit Kaufmann Schwarz aus Brackwede zusammen, der auf der preußischen Seite für die Weiterverteilung und den Verkauf der preiswerteren Kaffeebohnen sorgte. Nach dem Tod vom verarmten Schmugglerkönig Krome fand man beim Umbau seines ehemaligen Hauses ein Andenken an vergangene Tage: In einer Zwischendecke des Hauses hatte Krome große Mengen von Kaffeebohnen eingelagert.
Bodenschatz Erz
Man hatte schon öfter nach Erzen gesucht und nie welche gefunden. Auch im Kriegsjahr 1944, als in Deutschlang dringend Rohstoffe für die Kriegswirtschaft benötigt wurden, erinnert man sich an die früheren Bergwerke. IN einer heute mit Bäumen bewachsenen Erdmulde gruben deutsche Pioniere nach Eisenerz. Historikern zufolge wurden die Schächte bis unter den Wartebrink getrieben. Aufgrund des geringen Ertrages stoppte man auch diese Suche nach wenigen Monaten.
Heute
Noch heute findet man neben den Mengen an Grenzsteinen viele Ortsnamen, die auf die bewegte Geschichte der Gegend zurückführen. So hat der Wartebrink  in Oerlinghausen seinen Namen aus der Zeit als die Leineweber aus Oerlinghausen und Umgebung mit ihren Kiepen voller Leinenstoff hier warteten, um gemeinsam mit anderen Leinenverkäufern in der Gruppe nach Bielefeld zu wandern.
Auch sind einige „Krüge“ aus der Schmugglerzeit noch erhalten und bekannte Ausflugsziele. Nach wie vor ist die einst karge Senne nicht für gute Landwirtschaft geeignet. Die Naherholung und der Artenschutz spielen aber eine zunehmende Rolle, so dass auch heute so ähnlich wie früher zahlreiche Wanderer mit Rucksäcken im Vierländereck unterwegs sind.

Gut zu wissen

Eignung

  • für Gruppen

  • für Familien

  • für Individualgäste

  • Haustiere erlaubt

  • Senioren geeignet

  • für Kinder (jedes Alter)

  • Kinderwagentauglich

  • für Kinder (0-3 Jahre)

  • für Kinder (3-6 Jahre)

  • für Kinder (6-10 Jahre)

  • für Kinder (ab 10 Jahre)

Fremdsprachen

Deutsch

Zahlungsmöglichkeiten

Eintritt frei

Ansprechpartner:in

Naturpark Teutoburger Wald/Eggegebirge
Frau Heike Hermann
Grotenburg 52
32760

In der Nähe

Kontakt

Vierländereck
Dalbker Straße
33813 Oerlinghausen
© Teutoburger Wald Tourismus / P. Koetters

Foto & Video ­Galerie ­Ausflugsziele

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